Kultur : Bergmans Auge

Zum Tod des großen Kameramanns Sven Nykvist

Peter W. Jansen

„Für mich ist Licht zur Passion meines Lebens geworden“, sagte er einmal. „Licht umgibt dich – du musst dich nie allein fühlen.“ Sven Nykvist, am 3. Dezember 1922 in Moheda (Småland) geboren und mit 20 einer der jüngsten Kameramänner nicht nur Schwedens, musste nach etwa 20 Filmen geradezu zwangsläufig mit Ingmar Bergman zusammenkommen. Und dann dauerte es nach „Abend der Gaukler“ (1953) noch einmal 20 Filme, bis mit „Die Jungfrauenquelle“ (1960) die Zusammenarbeit Bergman / Nykvist geradezu epidemisch wurde, in abermals 20 Filmen bis hin zu „Fanny und Alexander“ (1982) und dem letzten gemeinsamen Werk, dem Fernsehfilm „Nach der Probe“ (1984).

„Nykvist“, wusste Bergman, „ist technisch gesehen ungeheuer geschickt, einer der geschicktesten der Welt. Ein Zeichen seines Könnens ist, dass er mit drei Lampen und etwas Folie arbeiten kann. Worauf es ankommt, ist doch gerade, dass man eine Masse unnützer technischer Komplikationen eliminiert und damit die Maschinerie auf das Notwendigste reduziert.“

Das Geheimnis des Glücks dieser in der Filmgeschichte wohl einmaligen Kooperation ist: nichts weiter gemeinsam zu haben als die Klarheit des Lichts, die Einfachheit der somnambul präzisen Einstellungen, denen es, bei allem Realismus, dennoch gelingt, eine Atmosphäre von spiritueller Dichte herzustellen. Nykvist ist dafür mit zwei Oscars („Schreie und Flüstern“, „Fanny und Alexander“) geehrt worden. Seine schönsten Arbeiten für Bergman aber sind vielleicht die der in den Sechzigern heftig umstrittenen Trilogie „Wie in einem Spiegel“, „Licht im Winter“ und, vor allem, „Das Schweigen“. Nirgendwo sonst in Nykvists Bildern sind Zeigen und Verschweigen so identisch: Hier spricht alles Sichtbare vom Unsichtbaren.

Nykvist, einer der bedeutendsten Kameramänner der Filmgeschichte, hat bei vielen großen Regisseuren fotografiert, bei Louis Malle, Woody Allen, Richard Attenborough, Bernhard Wicki, Volker Schlöndorff („Eine Liebe von Swann“). Auch den mythischen Bilderkosmos von Andrej Tarkowskij („Das Opfer“) verwandelte er sich an und schuf für dessen exquisite Tonmontage Tableaus, in denen Traum und Wirklichkeit einander durchdringen. Kaum noch bekannt ist seine Zusammenarbeit mit Kurt Hoffmann, für den er fünfmal arbeitete, etwa für „Schneewittchen und die sieben Gaukler“.

Nun ist es dunkel geworden für den Meister des Lichts. Am Mittwoch ist Sven Nykvist mit 83 Jahren in Stockholm gestorben.

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