Kultur : Berlin-Bücher: Auch berühmte Zecher gehören zum Mythos

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Also schrieb Napoleon seiner Josephine: "Meine Freundin, die Königin von Preußen, hat gestern mit mir diniert. Ich mußte mich tüchtig wehren, da sie mich zwingen wollte, noch einige Zugeständnisse zugunsten ihres Mannes zu machen. Aber ich war galant und hielt mich an meine Politik!" In dieser Ausführlichkeit sind Bildlegenden selten. Üblicherweise stehen nur Titel ("Napoleon I. empfängt Königin Luise in Tilsit am 6. Juli 1807"), Maler und Museum unter der Illustration. Nicht so in dem gestern in der Villa von der Heydt vorgestellten Band "Preußen - Geschichte eines Mythos". Da stehen die Illustrationen nicht für sich allein, werden vielmehr durch Wissenswertes - Hintergründe, Ergänzungen, Anekdoten - ergänzt.

Das Preußenjahr 2001 wirft seine Schatten voraus, wie gewohnt in Form bedruckter Seiten. Der Historiker Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam, und das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz haben sich als gemeinsame Herausgeber für dieses wohl erste Buch zum Jubiläum zusammengefunden. Elf Autoren haben Aspekte des Preußischen beleuchtet, unterbrochen sind die Texte durch ausgezeichnet repoduzierte Bilderstaffeln. Das kommt unterhaltsamer daher, als man es erwarten könnte. Selbst die notorischen Zecher E.T.A. Hoffmann und Ludwig Devrient wurden nicht vergessen, und Schinkels berühmtes "Zauberflöten"-Bühnenbild gehört für die Herausgeber ebenso selbstverständlich zu Preußen wie der Alte Fritz oder seine Totengräber Hitler und Göring.

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