• „Berlin-Friedrichstraße“ im Theater an der Parkaue: Als Trittbrettfahrer über die Grenze

„Berlin-Friedrichstraße“ im Theater an der Parkaue : Als Trittbrettfahrer über die Grenze

Regisseur Marcus Lobbes erzählt in seinem Stück „Berlin-Friedrichstraße“ im Theater an der Parkaue eine abenteuerliche Fluchtgeschichte - und leistet damit einen guten Beitrag zum Mauerfall-Jubiläum.

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Szene aus "Berlin-Friedrichstraße" von Marcus Lobbes.
Szene aus "Berlin-Friedrichstraße" von Marcus Lobbes.Foto: promo / Theater an der Parkaue

Walter Ulbricht lässt keinen Zweifel. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, säuselt der Staatschef aus dem Off. Die Realität sieht bekanntlich anders aus. Auch auf der Bühne der Parkaue. Da stehen die Spieler vor einem antifaschistischen Schutzwall und mit dem Rücken zur Wand. Alle in Jogginganzügen und Turnschuhen, wie ein Sportlerteam, das sich für die gefährlichste Disziplin der DDR aufwärmt: Republikflucht.

Wer wie der Protagonist Klaus Hermann die 100 Meter in 12,8 Sekunden schafft, hat da Vorteile. Wenn es zum Beispiel gilt, auf den anfahrenden Paris–Moskau-Express aufzuspringen und so dem Arbeiter- und Bauernstaat zu entkommen. „Berlin-Friedrichstraße 20.53“ heißt das Stück, mit dem Regisseur Marcus Lobbes eine abenteuerliche Fluchtgeschichte erzählt. Basierend auf wahren Begebenheiten. Anno 1962 nutzt eine Gruppe von Jugendlichen, die alle die Max-Planck-Oberschule in Mitte besuchen, die Lücke im System. Nach waghalsigem Kletterakt an der Bahnbrücke Friedrichstraße entlang, glückt ihnen der Sprung auf die Gleise. Selbst nachdem einer von ihnen abgestürzt und der Stasi in die Hände gefallen ist, schaffen es noch zwei als Trittbrettfahrer über die Grenze.

Guter Beitrag zum Mauerfall-Jubiläum

Lobbes inszeniert das Stück als Jugend-Thriller mit Polit-Kolorit. Die schlaglichtartigen Szenen lassen die Enge der Diktatur aufblitzen, das von Misstrauen geprägte Leben unter „Hausbuchführern“ und „Abschnittsbevollmächtigten“, geraten aber nie zur DDR-Nachhilfestunde. Stattdessen stoßen die sieben Spieler in einer atemlosen Stunde eher en passant Fragen zu Geschichte und Gegenwart an. Guter Beitrag zum Mauerfall-Jubiläum.

wieder 10. und 11. November, weitere Vorstellungen im Dezember

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