Berlinale : "Ich erwarte keine großen Dramen"

Der Präsident der Internationalen Jury zur Vergabe der Goldenen und Silbernen Berlinale-Bären, Paul Schrader, stellt sich auf eine harmonische Jury-Arbeit während des Filmfestes ein.

Berlin - Er rechne sogar mit einer "schrecklich harmonischen" Runde, sagte Schrader kurz vor der Berlinale-Eröffnung in Berlin und fügte hinzu: "Ich erwarte keine großen Dramen."

Allerdings hat er es auch schon anders erlebt. 1987 war Schrader schon einmal in der Berlinale-Jury, damals als einfaches Mitglied unter dem Vorsitz von Klaus-Maria Brandauer. Damals hätten sich die Jury-Mitglieder angeschrieen und gegenseitig beschimpft. Das sei zwar eigentlich auch spaßig gewesen. "Aber das erwarte ich jetzt nicht mehr", sagte Schrader. Unter anderem hatte sich die Jury damals über den Wettbewerbsbeitrag "Platoon" zerstritten.

Schrader zur Seite stehen US-Schauspieler Willem Dafoe, die Schauspieler und Filmemacher Gael Garcia Bernal und Hiam Abbass, Produzentin Nansun Shi aus Hongkong, die dänische Cutterin Molly Malene Stensgaard sowie der deutsche Schauspieler Mario Adorf.

"Deutsche Schauspieler sind gut, weil sie gute Schauspieler sind"

Die Häufung deutscher Schauspieler in Berlinale-Filmen ist für Schrader kein Zeichen einer wachsenden Deutschland-Begeisterung im internationalen Filmgeschäft. "Deutsche Schauspieler sind gut, weil sie gute Schauspieler sind", sagte er. Erst wenn ein Schauspieler nicht gut sei, werde seine Herkunft zu einem Attribut seiner Arbeit.

Jurymitglied Mario Adorf sagte, diese Arbeit sei "schon ein bisschen Herausforderung". Er müsse die Filme natürlich anders sehen als bei einem normalen Kinobesuch. Aber auch als Juror wolle er sich von dem Film gefangen nehmen und beeindrucken lassen.

Die Jury trifft sich Schrader zufolge vier Mal in ganzer Runde zur Bewertung der Beiträge. Am Ende gehe es dann nur noch um die Gewinner, nicht um die Bewertung aller Wettbewerbsproduktionen. (tso/ddp)

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