Berlinale Talents : "Wir Filmemacher spielen manchmal mit dem Feuer."

Film und Fake News: Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland spricht bei den Berlinale Talents. Ihr Film "Pokot" läuft im Wettbewerb.

Carolin Haentjes
Agnieszka Holland
Hat den Durchblick: Agnieszka HollandFoto: AFP

Video-Botschaft aus dem Oval Office. Agniezska Holland bittet, ihre Abwesenheit zu entschuldigen. 2016 sei ein solches Desaster gewesen, da habe sie sich der Rettung der Welt widmen müssen. „Wir als Filmemacher tragen Verantwortung“, deklariert die polnische Regisseurin in präsidialem Ton. „In postfaktischen Zeiten haben wir die Macht, Wahres zu kommunizieren. Also lasst es uns tun.“ Stürmischer Applaus im Hebbel am Ufer.

Und dann erscheint Holland doch auf der Bühne, wie geplant, und plaudert bei den Talents übers Filmemachen. Eigentlich sollte es darum gehen, welche Rolle Filmemacher – die Meister des postmodernen Illusionstheaters – in postfaktischen Zeiten spielen und spielen können. Aber leider ist Moderatorin Anne Lakenberg zu sehr an Filmset-Anekdötchen interessiert und lenkt das Gespräch zielsicher vom Thema weg. Zum Beispiel nach dem Einspieler von „House of Cards“: Holland war eine der Regisseurinnen der Erfolgsserie, die das politische Establishment in Washington als hochmanipulativ porträtierte. Nun gesteht sie ein, dass die Serie vielleicht Populisten in die Hände gespielt habe: „Wir Filmemacher spielen manchmal mit dem Feuer.“ An dieser Stelle wäre Nachhaken wünschenswert gewesen.

Holland zitiert zum Abschluss Bulgakow

Wenigstens einige Publikumsfragen entlocken der Regisseurin, deren neuer Film „Pokot“ im Wettbewerb läuft, eine Einschätzung zum politischen Potenzial des Kinos. „Die größte Gefahr ist momentan, zu unterstellen, dass es nur eine eindeutige Wahrheit gibt.“ Zwar seien „Fake News“ ganz klar Lügen. Aber Freiheit bestehe nur in einem Raum, in dem verschiedene Perspektiven erlaubt sind. Genau hier liege die Stärke von Fiction, sagt sie. Denn sie könne Fantasie und Sensibilität anregen und neue Sichtweisen eröffnen. Deswegen lasse sie in ihren Werken auch keine Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu: weil jeder Mensch voller Widersprüche steckt und der beste Mensch Böses tun kann. Das müsse Film widerspiegeln. Aber dafür brauche es Mut und gerade daran fehle es oft im europäischen Kino. Nicht an Ideen, nicht an Talent, aber an Mut. Und so zitiert Holland zum Abschluss Bulgakow: Am schuldigsten werden die Feiglinge!

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