Berliner Bühnen : Allee der Opern

Ab Januar wird das Schillertheater für den Spielbetrieb der Staatsoper umgebaut. Der Auftrag für die Sanierung des Musiktheaters Unter den Linden wird Anfang 2009 vergeben.

Frederik Hanssen

Zwei große moderne Opernhäuser in Sichtweite – das gab es bislang nur am Lincoln Center in New York. Ab Herbst 2010 wird es nun auch in Berlin so ein Musiktheater-Doppel geben: Wenn die Staatsoper von Mitte nach Charlottenburg zieht, um ihre Zelte drei Jahre lang im Schillertheater aufzuschlagen, während ihr Stammhaus Unter den Linden grundsaniert wird. Dann liegt nur noch ein Stückchen Bismarckstraße zwischen Daniel Barenboims Wirkungsstätte und der Deutschen Oper. Eine räumliche Konkurrenzsituation, die sich höchst belebend auf die Klassikszene der Hauptstadt auswirken dürfte. Und gleichzeitig Balsam ist für die geschundenen Seelen feingeistiger West-Berliner, die darunter leiden, dass seit der Wende die kulturelle Ausgehmeile östlich des Brandenburger Tores beginnt.

Am 5. Januar 2009 werden die Bauleute ins Schillertheater einrücken, um den Fünfziger-Jahre-Bau so umzurüsten, dass die Staatsoper hier ihren Repertoirebetrieb fortsetzen kann. Das Gebäude steht zwar unter Denkmalschutz, die zuständige Behörde zeigt sich aber willig, ihren Ermessensspielraum auszuschöpfen. 20 Millionen Euro stehen dem Berliner Architekturbüro „Zerr Hapke Nieländer“ zur Verfügung: Das reicht, um die Bühnentechnik zu modernisieren, den Orchestergraben zu vergrößern, ein Akustiksegel an der Decke anzubringen sowie eine Nachhallverlängerungsanlage einzubauen, wie sie aktuell auch in der Staatsoper benutzt wird. Außerdem sollen die Foyers neu gestrichen werden.

Das Grips-Theater, das noch bis Jahresende die sogenannte Schillertheater-Werkstatt im Seitenflügel bespielt, eröffnet Ende Februar 2009 eine neue Nebenspielstätte im Podewil an der Klosterstraße. Auch für die auf dem Gelände untergebrachten Kostüm- und Dekorations-Werkstätten des Gorki Theaters sind inzwischen Ausweichquartiere gefunden.

Unterdessen bemüht sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, den Planungsrückstand bei der Staatsopernsanierung nach der im Juli geplatzten ersten Wettbewerbsrunde wettzumachen. Derzeit werden die Unterlagen von 21 Architekturbüros geprüft, die sich für das zweite Vergabeverfahren beworben haben. Anfang Januar wird es dann Gesprächsrunden mit den interessantesten Kandidaten geben, die Angebote für die denkmalgerechte Sanierung des Saals und die Modernisierung der übrigen Gebäudeteile abgeben müssen. Noch im ersten Quartal 2009 soll der Auftrag vergeben werden. Frederik Hanssen

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