Kultur : Berliner Festival der Kunst ohne Worte

Norbert Tefelski

Das Zwei-Mann-Theater Mimomagique huldigt Marcel Marceau, anfangs recht konventionell, sich dann freispielend mit der besten Nummer aus seinem "Silence!"-Programm: Ein Streit zwischen Gast und Kellner steigert sich zur actionfilmreifen Hetzjagd. Schön. Und, wie sich nach der Pause zeigt, doch nur das warming up für die Company Fayçal Mihoubi. Von Sonja Wachening, Axel Schrick und Robin Weinem grandios unterstützt, erzählt der Namensgeber "die neuen Abenteuer des Baron von Münchhausen zu Wasser, zu Lande und in der Luft". Ja, "erzählt", befremdet dadurch, dass er quasselt wie ein Wasserfall.

Dieser tiefe Bruch mit mimodramatischen Gepflogenheiten bleibt nicht der einzige: Der "Kulissenschieber" hinterm Pappkaktus wird hinausgeschickt ("Ich hab dich gesehen!"), und die "Oma" mit imaginärer Gehhilfe unterbricht ihre mühsame Bühnenüberquerung: "Nee, das reicht jetzt. Das tut doch weh." Geradezu umwerfend absaufend demonstrieren die in der Kreuzberger "Etage" bestens ausgebildeten Schauspieler in wenigen Sekunden den Untergang der Titanic: Stationen auf Mihoubi-Münchhausens Trip durch Welt(all), Zeit und Traumraum.

Vom Einkaufsverkehrschaos im Supermarkt bis zum legendären Ritt auf der Mohrrübe - mit gestischen Kapriolen und der Gesichtsgymnastik eines wiedergeborenen Louis de Funès durch(pf)lügt der eitle Perückenbaron eine knalleffektvolle Wundertüte. Der pantomimische Background wird gekonnt in Grund und Boden geblödelt, aber nie verraten - ist er doch schon per kränklich verschmiertem Maskenzitat präsent. So sieht man eben aus, wenn man im finsteren Irrenhaus sitzt, aus dem nur die groteske Phantasie einen zeitweiligen Weg weist.

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