Berliner Kunstforum : Plakatwerbung - Kunst für die Straße

Plakatkunst der letzten hundert Jahre ist bis 8. Mai im Berliner Kunstforum ausgestellt, von rassistischer Werbung aus der Kolonialzeit bis hin zu abstrakter Selbstpromotion der 80er Jahre.

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Exotischer Genuss. Joghurt-Werbung um 1900. Foto: Herbert Boswank, Dresden
Exotischer Genuss. Joghurt-Werbung um 1900. Foto: Herbert Boswank, Dresden

Weshalb ein kleiner Mohr „Pfunds Yoghurt“ anpreisen muss, obgleich das Milchprodukt kein bisschen exotisch ist, lässt sich ein Jahrhundert später nicht mehr herausfinden. Wohl aber einiges über das Lebensgefühl jener Europäer, die auf Werbeplakaten von 1900 immer wieder mit servilen Schwarzen konfrontiert werden: Es ist Kolonialzeit, und man bedient sich wohlfeiler Klischees für die importierten Waren. Darüber hinaus sind die großflächigen Annoncen wie Ludwig Hohlweins Lithografie für „Marco-Polo-Tee“ herausragende Beispiele eines Mediums, das sich Mitte des 19. Jahrhunderts im Stadtbild etablierte und bis heute dort geblieben ist. „Kunst für die Straße – Plakate aus dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlung Dresden“ heißt eine Ausstellung im Kunstforum der Berliner Volksbank mit über 100 Beispielen.

In Dresden wurde früh gesammelt, was als Massenprodukt die Aufmerksamkeit für ein kommerzielles Produkt wecken sollte. Das lag an den beteiligten Künstlern: Henri de Toulouse-Lautrec, Franz von Stuck oder Alfons Mucha ließen sich gern zur Werbung verführen. Die junge Kunst forderte ihnen eine neue Sprache ab. Großflächig, illustrativ, die Gleichrangigkeit von Farbe und Schrift: Wie unterschiedlich sie diese Aufgabe durch die Jahrzehnte bewältigt haben, vermittelt die Ausstellung mit ihren großartigen Motiven. Vom leibhaftigen Tod, den sich ein halbnacktes Mädchen 1895 mit einem Antiseptikum vom Leib hält, geht es über Theaterplakate zu den internationalen Kunstausstellungen. Jugendstil, Art Deco und Brücke-Expressionismus: Die Strömungen der Zeit bilden sich ab bis in die achtziger Jahre. Um Genussmittel geht es bloß im weitesten Sinn. Gerhard Richter oder Isa Genzken werben auf den abstrakt gestalteten Plakaten vor allem für sich selbst.

Kunstforum, Budapester Str. 35, bis 8. Mai, täglich 10–18 Uhr.

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