Berliner Philharmoniker : Astral ergriffen

Die Berliner Philharmoniker unter Susanna Mälkki spielen Bartók und Busoni.

Hans Ackermann
Feurig. Susanna Mällki. Foto: Chris Lee/promo
Feurig. Susanna Mällki. Foto: Chris Lee/promoFoto: Chris Lee/promo

„Revolutionär und klassisch“ nennt Gil Shaham das zweite Violinkonzert von Béla Bartók. Seine Begeisterung für diese Musik hat ihn dieses Werk schon mehrfach aufnehmen lassen, zuletzt mit dem Stuttgarter Radiosinfonieorchester. Hier in der Berliner Philharmonie muss der Solist aus New York aber noch kurz warten, im Arm seine „Gräfin Polignac“ – vor vielen Jahren hat Gil Shaham diese Stradivari von 1699 in Chicago erworben und seitdem keine andere Violine mehr im Konzert gespielt.

Der Abend beginnt mit Ferruccio Busonis „Tanz-Walzer für Orchester“, uraufgeführt 1921 in Berlin, von den Philharmonikern! Wie das Orchester damals wohl geklungen haben mag? Heute abend sind die Musiker in sommerlich ausgeruhter Bestform: Hellwache Flötisten und beschwingte Kontrabässe tupfen einen Walzerklang, wie er Busoni einst im Vorübergehen aus den Kaffeehäusern ans Ohr gedrungen sein mag. Ein Lebensgefühl, das der Komponist recht distanziert, von außen, betrachtet hat, mit modernen Klängen, die eher an Richard als an Johann Strauss erinnern. Dann kommt Gil Shaham auf die Bühne, lächelnd, mit sichtbarer Vorfreude auf das Bartók-Konzert. Zu Harfenakkorden in reinstem Dur intoniert er auf der leeren G-Saite seinen tiefsten Ton, schwingt sich von dort aus in die Höhe, verbindet Volksliedhaftes mit expressiven Zwölftonreihen, findet im Mittelsatz zu höchst lyrischen Tönen und glänzt im Schlusssatz mit einer zweiten Kadenz: Man spürt, dass er dieses Konzert liebt und jedes Detail des 1939 uraufgeführten Werkes kennt.

Und wieder ist die schöne Eigenheit dieses Solisten zu erleben. Mit aufmunternden Gesten und entschlossenem Körpereinsatz treibt er seine Mitmusiker voran, dreht sich nach rechts zu den Geigen, wendet sich nach links zu den tiefen Streichern, reckt sich nach hinten zu den Bläsern, und steckt natürlich auch die Dirigentin mit seinem überschäumenden Temperament an. Langer Beifall belohnt die gemeinsame Höchstleistung.

Nach der Pause ist die finnische Dirigentin dann wieder allein für die Leitung des Orchesters zuständig. Und Susanna Mälkki führt die Sinfonie Nr. 2 von Jean Sibelius zu einem grandiosen Höhepunkt. Der Finalsatz, mit Perfektion und Klangpracht gespielt, erzeugt tiefste Ergriffenheit am Ende eines großen sinfonischen Abends.

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