Kultur : Beseelt betoniert

SKULPTUR

Inge Pett

700 Stunden verlangte Francine ihm ab. Dann endlich war ihr Schmerz in Beton gebannt, abgekapselt, genauso wie ihr Stolz. Das „Weggetauchte, in sich Gekehrte“ habe er einfangen wollen, so der Bildhauer Hubertus Brand . Tatsächlich spiegelt die Büste der jungen Frau mit den schottisch-jamaikanisch-französischen Wurzeln ein beseeltes Gesicht – in seiner Intensität schön, ohne wirklich hübsch zu sein. Stilistisch stellt sich der Berliner Künstler mit selbstbewusstem Anachronismus in die Tradition Lehmbrucks und Giacomettis. Brands markante Köpfe mit den überlängten Hälsen sind derzeit unter dem Titel „Human Being – Faces and Heads“ in der Guardini Galerie zu sehen (Askanischer Platz 4, bis 25. Februar, Di bis Fr 14-19 Uhr). Francine reiht sich ein in eine Gruppe ausdrucksvoller Charakterköpfe mit hohen Wangenknochen und ausgeprägten Nasen. Auf ihren Sockeln bilden die Betonskulpturen einen Kreis, ohne aber untereinander oder mit dem Betrachter zu kommunizieren. Im Gegensatz zu diesen jüngsten Arbeiten sind die früheren aus Terrakotta, Gips, Bronze nicht geschlossen, sondern unvollendet, lassen Raum für die Fortsetzung eines zwischen Künstler und Modell begonnenen Dialogs. „Ich glaube, das Wichtigste für mich ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung, die ich festhalten will, weil sie mir durch den Versuch, sie festzuhalten, erst zur Erfahrung wird“, hat der Künstler erklärt. Brand ist ein unmoderner Bildhauer, konservativ im besten Sinn. Der Diskurs des Diskurses ist seine Sache nicht. Eher schon das Verletzbare, Intime. Er fängt Momente des Menschlichen ein, lässt es durchschimmern in diskreten, eindringlichen Tönen und erfrischend altmeisterlicher Manier.

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