Kultur : Beziehungsmuster

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„Here’s lookin’ at you, kid“, haucht Rick seiner geliebten Ilsa zu. Nein, er raunt es Anne, Claudia, Susanne und Marie entgegen, die an diesem lauen Sommerabend auf den Platz vor der Alten Nationalgalerie kamen, um „Casablanca“ in Originalfassung zu sehen (ab 18. Juli wieder im Kino). Keine von ihnen wäre an diesem Abend mit Viktor Laszlo in das Flugzeug nach Lissabon gestiegen – Edelmut hin, Pflichtgefühl her. Sie hätten Rick alias Humphrey Bogart weder in Casablanca noch anderswo auf der Welt im Nebel stehen lassen. Und sie hofften jetzt – 60 Jahre nach der Weltpremiere in New York – dass Ilsa Lund alias Ingrid Bergman sich wenigstens dieses Mal anders entscheiden würde. Stellvertretend sozusagen. Zwar hat der Filmverleih „Neue Visionen“ es sich „einiges kosten lassen“, den Film zu bekommen, um ihn zum Auftakt der Reihe der Wiederaufführung alter Filme zu zeigen (nächster Film: 29.8., Godards „Die Verachtung“ von 1963). Doch das traurige Ende des Melodrams konnten sie nicht verhindern. Obwohl es fast gelungen wäre: Vier Minuten vor Schluss – Major Strasser rast im Auto auf das Flugfeld, stürmt zum Telefon, die Flucht Laszlos zu verhindern, das Publikum auf der Museumsinsel hält den Atem an, und – die Leinwand wird dunkel. Sicherung durchgeknallt! Ein Grund, den Veranstalter zu erwürgen? Abwarten! Dann der klägliche Versuch, die Panne mit Fahrstuhl-Musik herunterzuspielen. Die Bogie-Fans sind ungehalten. Weiter geht’s, Strasser wird erschossen und man ist Captain Louis Renault für seine Worte dankbar: „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“ Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und das Ende eines wundervoll en Abends. Stephanie Nannen

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