Kultur : Billy Wilder: "Ein großer Humanist"

Die Nachricht vom Tode Billy Wilders löste in Hollywood tiefe Trauer aus. Der Regisseur starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills. Er sei "friedlich entschlafen", sagte sein langjähriger Freund, der Filmproduzent George Schlatter. Wilders gesundheitlicher Zustand habe sich in den letzten Monaten zunehmend verschlechtert. Schlatter betonte, trotz körperlicher Schwäche habe Wilder bis zuletzt seinen legendären Humor beibehalten. Nach Angaben des Branchenblatts "Variety" soll es kein öffentliches Begräbnis geben. Die Familie wolle nach einiger Zeit aber eine Gedenkfeier ausrichten.

Shirley MacLaine, die mit dem Regisseur in "Das Appartement" und "Irma La Douce" zusammenarbeitete, sagte, der Meister werde im Himmel bestimmt ein weiteres großes Werk schreiben und verfilmen. Sie habe von ihm mehr gelernt als von jedem anderen und werde ihn "bis zum Wiedersehen" vermissen. Horst Buchholz, der mit Wilder 1961 "Eins, zwei, drei" in Berlin drehte, hat ihn als einen "der besten Regisseure der Welt" gewürdigt. "Für mich war die Nachricht von seinem Tod erschreckend. Es ist sehr traurig, dass so ein Mensch sterben muss", sagte Buchholz. Wilder sei nicht nur künstlerisch herausragend gewesen, "sondern auch menschlich sehr angenehm".

Wilders oft sarkastische Sicht auf den amerikanischen Lebensstil beeinflussten auch eine Reihe der heute erfolgreichen Filmemacher, unter ihnen Steven Soderbergh und Curtis Hanson. "Sein Geist und seine ganze Persönlichkeit waren so stark, das man sich einbildete, er würde immer da sein", sagte Hanson. Trotz des Zynismus in vielen seiner Werke sei Wilder "ein großer Humanist" gewesen.

Bundespräsident Johannes Rau hat der Witwe Billy Wilders "im Namen aller Deutschen" sein Beileid ausgesprochen. "Sein Tod ist nicht nur für Sie und Ihre Familie ein großer Verlust", betonte Rau in seinem Kondolenz-Telegramm an Audrey Wilder. "Mit Billy Wilder verliert die Filmwelt einen herausragenden Regisseur und einen wunderbaren Menschen." Sein perfektes Handwerk, sein sicheres Gespür für Talente und sein unnachahmlicher Humor werden den Filmfreunden in aller Welt in Erinnerung bleiben. "Obwohl er Berlin 1933 unter unwürdigen Umständen verlassen musste, hat er nach dem Krieg wichtige Filme in Deutschland gedreht, die der Welt ein differenziertes Bild von Deutschland gezeichnet haben", hob Rau hervor. Seine Filme "werden in uns fortwirken, und seine Bilder werden unser Bild von Billy Wilder lebendig halten".

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