Kultur : Birgit und Bier

Element of Crime in der Zitadelle Spandau

Martin Schwarz
Zentralgestirn. Sven Regener. Foto: dpa Foto: dpa
Zentralgestirn. Sven Regener. Foto: dpaFoto: dpa

Der Sommer hat ein Einsehen an diesem lauen Abend in der Zitadelle Spandau. Gut gelaunt betritt Sven Regener, Frontmann von Element of Crime, kurz nach 20 Uhr mit seinen vier Mitstreitern die Bühne, sichtlich beeindruckt von den etlichen tausend Menschen von Jung bis Alt vor ihm. Viel mitzuteilen hat er zwischen den Songs nicht, aber gerade dies thematisiert er in einer der spärlichen Ansagen: „Was soll man auch immer sagen?“ Stattdessen singt er mit seiner unverwechselbaren Stimme und zaubert mit den manchmal kryptischen, mitunter melancholischen Texten wunderbare Bilder in den Nachthimmel. Trotz einiger Ausflüge in die 26-jährige Bandgeschichte dominieren die Songs aus dem letzten Album „Immer da wo du bist bin ich nie“ von 2009.

Letztes Jahr erschien „Fremde Federn“, das ausschließlich Coverversionen enthielt. Für die einzige Coverversion des Abends kommt Leander Haußmann, Regisseur der Verfilmung von Regeners Roman „Herr Lehmann“ auf die Bühne. Er wird vom Sänger wegen seines Engagements gegen Flugrouten als „Der Robespierre von Friedrichshagen“ angekündigt, spielt zu Dylans „It’s All Over Now, Baby Blue“ Mundharmonika und tritt wieder ab. Langsam steigert sich die warme, wie immer bei Element of Crime etwas schwermütige Stimmung. Jakob Iljas wenig verzerrtes, schnörkelloses Gitarrenspiel, der zurückhaltende Bass David Youngs, die soliden Schläge des Drummers Richard Pappik, die dezente Violine des Youngsters Christian Komorowski – er ist erst 47 – und Regeners Gitarren- und Trompetenspiel formen einen Klangteppich, auf dem es sich wohlig ausruhen lässt. „Deborah Müller“ wird besungen oder „Kaffee und Karin, Birgit und Bier“. Dabei bricht die bestens harmonierende Band nur selten aus den Songstrukturen aus und erlaubt sich nur hie und da etwas Krach oder ein ausgedehnteres Solo.

Die Zuschauer – einige erweisen sich beim Mitsingen als erstaunlich textsicher – nehmen es gelassen hin, feiern kleinere und größere Hits wie „Seit der Himmel“ oder „Delmenhorst“ und freuen sich über den wunderschönen Berliner BVG-Song „Alle vier Minuten“, den Regener mit S-Bahn-Fahrtipps für den Nachhauseweg eingeführt hat. Und auf den geht es dann auch nach vier Zugabenblöcken und gut zwei Stunden Element of Crime an diesem bezaubernden Abend. Martin Schwarz

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