Kultur : Bleifenster für die Fluxus-Kathedrale

Die Emerson Gallery zeigt Papierarbeiten von Emmett Williams

Michaela Nolte

Die Zeiten, in denen Emmett Williams mit seinen Fluxus-Kollegen Steine in Klaviere geschmissen hat, sind lang passé, und überhaupt scheint die laute und wütende Geste der Anti-Kunst seine Sache nicht zu sein. Will man so etwas wie einen Duktus im Werk des 1925 geborenen Amerikaners ausmachen, dann ist es seine schalkhafte Poesie. Und sucht man ein stilistisches Label für den Musiker, Maler, Lyriker und Performer, so passt einzig das des permanenten Grenzgängers.

Die Ausstellung „Light Sculptures“ in der Emerson Gallery versammelt zwei Dutzend seiner Bild gewordenen Aperçus, und mit freundlicher Chuzpe führt Emmett Williams den Betrachter schon durch den Titel geradewegs hinter das Licht. Denn Skulpturen oder Lichtobjekte im herkömmlichen Sinne sucht man vergebens. Bis auf ein Bleifenster für die „Fluxus-Kathedrale“ (35 000 Euro) und eine Wandmalerei (Preis auf Anfrage) sind ausschließlich zweidimensionale Papierarbeiten zu sehen. Das Dreidimensionale erschließt sich genau da, wo unser Denken mit Williams’ Zeichen, Worten oder Titeln um die Ecke biegt.

So weckt ein „Romantisches Gedicht“ aus der Siebdruck-Serie „Kunst und Natürlichkeit“ (je 550 Euro) Erinnerungen an Naum Gabos konstruktiven Torso, über den sich im Stil der konkreten Poesie Buchstaben und Worte legen. Lautmalerische Anklänge an El Lissitzkys PROUN sowie an altgermanische Runen gehen mit frech erotischen Anspielungen einher. Wie zufällig durchzieht da eine Linie das „S“ in dem Wort „She“ zum Dollarzeichen oder ergeben scheinbar vereinzelte Buchstaben an den Rändern das Wörtchen „Fuck“.

Erfrischend flaniert Williams zwischen Tiefsinn und Unsinn, zwischen Abstraktion und Figuration. Die Mischtechniken der Serie „Light Sculptures“ (je 3000 Euro) kalauern mal mit Hans Arp: „Heiliger Bimbam Kaspar ist tot“ und portraitieren daneben ein „Bettlerkind“, die „Angst“ oder „Hummer und Sorge“. In der Hommage an Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (Auflage 35, 300 Euro) stehen Williams’ fröhlichen Fluxus-Männchen nur noch bleiche Konturen gegenüber. Aber Emmett Williams bleibt auf der Suche und findet immer wieder seine eigenen Farben.

Emerson Gallery, Gartenstraße 1, bis 18. März; Dienstag bis Freitag 14 – 19 Uhr, Sonnabend 12 – 16 Uhr.

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