Kultur : Blondinen bevorzugt

SIMONE MAHRENHOLZ

Der diskrete Charme französischer Filme liegt darin, daß sie ihre wichtigsten Aussagen meist beiläufig machen - und fast immer betreffen sie das undurchsichtige Verhältnis zwischen Männern und Frauen.Hier stellen sich zwei Alt-Ikonen dem Thema: Neben Catherine Deneuve ist es der Schauspieler und Ex-Chansonnier Jacques Dutronc, der schon in Andrzej Zulawskis "Meine Nächte sind schöner als deine Tage" durch seine paradoxe Mischung aus ganztägigem Schlafzimmerblick, Selbstironie und Pathos angenehm auffiel.

Diese Helden werden mit der anregenden Problematik gestohlener Diamanten umgeben und in die Szenerie eines erstklassigen Juwelierladens an einem der schönsten Plätze der Welt versetzt, ein Ort, wo schon Napoleon seinen Schmuck kaufte.Ferner gibt es noch das jüngere Double von Catherine Deneuve, Emmanuelle Seigner, die aussieht wie eine Entdeckung von Roman Polanski, was bereits Roman Polanski aufgefallen war ("Bitter Moon").

Marianne (Deneuve), die Gattin des renommierten Juweliers Malivet findet in ihrem alkoholgeschwängerten Leben neuen Sinn, als ihr Mann sich umbringt.Er war in krumme Diamantengeschäfte mit der russischen Mafia verstrickt.Nun hat sie sieben herrliche Diamanten am Hals, die sie verkaufen möchte, um ihr Geschäft zu retten.Schon heften sich diverse undurchsichtige Parteien an ihre Fersen, darunter auch ihr Ex-Liebhaber Battistelli (Dutronc), der sie vor vielen Jahren bei einem illegalen Geschäft an die Polizei auslieferte und nun die junge Juwelenverkäuferin Nathalie (Seigner) für seine Zwecke ausnutzt.Zu allem Überfluß fängt Nathalies Exfreund (Jean-Pierre Bacri) an, sich intensiv für Marianne zu interessieren.Marianne läßt sich ihre Verwirrung nicht anmerken und steuert umweglos an die internationalen Börsen nach London und die altehrwürdigen Handelsmärkte im jüdischen Antwerpen.Doch überall scheinen ihre Steine von einem unsichtbaren Fluch umgeben, und keiner der zahlreichen Menschen um sie herum enthüllt seine wahren Absichten.

Regisseurin Nicole Garcia, bekannt als Schauspielerin ("Gefahr im Verzug"), setzt in ihrem dritten Spielfilm ganz auf Atmosphären und Lokalkolorit.Sie sucht die dunklen, illegalen Seiten des Diamantenhandels zu zeigen, das, was hinter den glanzvollen Schauplätzen, perfekten Kostümen und der gespielten Contenance aller Beteiligten liegt.Ihr Film erhebt Anspruch auf Realität mit seinen Originalschauplätzen, dem skizzierten Umgang mit verdeckten Emittlern, mit Spionen und Mafia.Das ist optisch von Kameramann Laurent Dailland mit viel Stil umgesetzt.Doch hätte sich Garcia bloß stärker auf das Drehbuch konzentriert, das sie zusammen mit Jacques Fieschi schrieb! Das Buch ist wirr, alle entscheidenden logischen Anschlüsse zum Verständnis der Ereignisse fehlen.Die Autoren halten das zweifellos für erzählerische Eleganz.

Catherine Deneuve hat für diesen Film den Goldenen Löwen von Venedig als Beste Schauspielerin erhalten.Doch lange grübelt man, ob man ihre elegante Statuarik mit Tendenz zur Langeweile wirklich als Leistung anerkennen soll.Sie bleibt in allen Lebenslagen sie selbst.Andererseits: Wer kann das schon von sich behaupten? So ist "Place Vendôme" empfehlenswert nur wegen der mit melancholischer Süße vorgetragenen Bestandsaufnahmen zum Verhältnis zwischen Männern und Frauen.Hier hat er einen gewissen Endzeit-Charme und philosophische Weisheit, und das ist es ja schließlich, was er wollte.

Broadway, Cinema Paris (OV), Filmtheater am Friedrichshain, fsk am Oranienplatz

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