Kultur : "Bounce -Eine Chance für die Liebe": Alle sagen sorry

Ralph Geisenhanslüke

Seine Zähne sind zu weiß, seine Anzüge zu teuer. Buddy ist ein Werbe-Fuzzi aus dem Bilderbuch. Kann alles, weiß alles und hat nebenbei auch noch diesen jungenhaften Charme - oder was er dafür hält. Der verrät zwar in erster Linie, dass Buddy außer seiner tollen Agentur noch nicht viel vom Leben gesehen hat. Aber Buddy ist kein Typ für Selbstzweifel. Gleich wird er dieses blonde Stück aus der Flughafen-Bar abschleppen. Da fällt es ihm besonders leicht, dem Familienvater Greg sein Ticket zu überlassen.

Greg und 215 weitere Passagiere überleben den Flug nicht. Die Fluggesellschaft ist ein großer Kunde von Buddys überaus erfolgreicher Werbe-Agentur. Und die muss in Windeseile eine Image-Kampagne gestalten, in der die Airline beteuert, wie gut sie sich um ihre Passagiere kümmert. Vorher ging dem aalglatten Buddy solch menschelnder Schrott locker von der Hand. Nun erscheint ihm das als Zynismus. Die Kampagne wird ausgezeichnet, und Buddy, der seine Trinkgewohnheiten schon länger nicht mehr im Griff hatte, stürzt in den Dauersuff. Um seine Dämonen zu besiegen, sucht er die Witwe auf.

Ben Affleck und Gwyneth Paltrow sollen, so will es der deutsche Untertitel, "eine Chance für die Liebe" bekommen. Hat der Verleih vergessen, dass es früher einmal im deutschen Revolver-Fernsehen eine Sendung gleichen Namens gab, in der eine ältlich säftelnde Sexberaterin ihre Zuschauer zu sexuellen Höchstleistungen anspornte? Auch in "Bounce" fließen die Sekrete, aber vornehmlich aus der Tränendrüse. Amerikaner sprechen in solchen Fällen von einem "B.Y.O.H.-Movie": "Bring your own handkerchief". Zu deutsch: ein Taschentuchfilm. Wer sich an Gwyneth Paltrows Körpersprache bei der Oscar-Verleihung erinnert, kennt schon die halbe Story. Dieses Arbeiten mit den Augenbrauen, Beben mit den Lippen, Einknicken mit den Schultern und die völlige Hingabe an den T-T-Tränenfluss.

Vielleicht geht davon auch ein kathartischer Effekt aus. Immerhin soll aus dem Plastikwesen Buddy am Ende so etwas wie ein Mensch und das vom Schicksal gebeutelte all american girl für seine Tapferkeit belohnt werden. Wenn man die Flugzeug-Katastrophe von der Rahmenhandlung subtrahiert, bleibt die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die sich ein Alpha-Männchen und Kumpel für ihre Söhne wünscht. Der Weg dorthin ist allerdings mit kapriziösen Dialogen gepflastert. Man behandelt sich äußerst behutsam, und alle sagen ständig: "Sorry". Autor und Regisseur Don Roos, der vor drei Jahren mit der erfrischend sarkastischen Komödie "The Opposite Of Sex" debütierte, ist eine 180-Grad-Wende geflogen und setzt die Landeklappen für ein sicheres Plätzchen im Mainstream.

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