Kultur : Branchenintern macht die Nachricht bereits die Runde

Reinhart Bünger

NRW-Filmförderer Dieter Kosslick soll neuer Leiter der Filmfestspiele werdenReinhart Bünger

Moritz de Hadeln, Direktor der Berliner Filmfestspiele, hat nach Informationen dieser Zeitung am 20. April an seinem Urlaubsort die Kündigung erhalten. Nachfolger de Hadelns soll der Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Dieter Kosslick, werden. Eine Bestätigung von Berlins Kultursenator Christoph Stölzl als Vorsitzender des zuständigen Kuratoriums der Festspiele lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen gehört mit rund 70 Millionen Mark zu den "Big Players" unter den Länderfilmförderungen. Der Personalvorschlag sei auf Betreiben Knut Nevermanns, Abteilungsleiter Kultur und Medien beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien im Bundeskanzleramt, zustande gekommen, so ist zu hören. Von Kosslick wird vor allem erwartet, dass er das Berliner Filmfestival zum Event macht - also für mehr Glamour in der Hauptstadt sorgt. Kosslick gab bereits Mitte Februar in einer Tagesspiegel-Umfrage zur Zukunft der Berlinale leutselig Auskunft, wie er sich die zukünftige Festivalleitung vorstellt: "Groß, stark, mächtig, gläsern, ein bisschen wie der Potsdamer Platz, Berlin Mitte, der Hamburger Hafen, der Vitualien-Markt in München, die Thomaskirche in Leipzig, die Maultaschen in Stuttgart und der Karneval in Köln." Der 51-jährige Kosslick ist Mitglied der europäischen Filmakademie EFA, die alljährlich den Europäischen Filmpreis vergibt und Mitglied im Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt, Berlin. Ende der siebziger Jahre war Kosslick als Redenschreiber und Büroleiter des Hamburger Bürgermeisters Hans Ulrich Klose tätig. Von dort ging er 1982 als Redakteur zur Zeitschrift "Konkret". 1983 begann seine Arbeit in der Filmförderung, zuerst als Geschäftsführer der kulturellen Filmförderung Hamburg, dann bei der wirtschaftlichen Filmförderung der Hansestadt (Film Fonds Hamburg). Im selben Jahr wurde er als Mitbegründer von EFDO (European Film Distribution Office) bis zur ihrer Auflösung Präsident dieser europäischen Organisation. Kosslick hatte wiederholt kritisiert, dass die Kombination von Vertriebsförderungen, Verleihgarantien und Verteilungsschlüssel den Rückfluss der Kinoeinnahmen an die Fördereinrichtungen verhindere. Er machte auch früh auf die Gefahren einer Unterwanderung der Filmförderung durch die ko-finanzierenden TV-Anstalten auf die Filmförderung aufmerksam. In der Branche ist über den redegewandten Kosslick auch Kritisches zu hören: Vom internationalen Kino-Business verstehe er nicht so viel.

Der Vertrag de Hadelns - ursprünglich bis 2003 terminiert - enthält eine Optionsklausel: de Hadeln hätte noch die Berlinale 2001 (7. bis 21. Februar) leiten können, wäre sein Vertrag nicht zum 30. April dieses Jahres gekündigt worden. De Hadeln wurde seit Jahren eine starke Fixierung auf US-amerikanische Streifen vorgeworfen. Er habe keine glückliche Hand bei der Filmauswahl gehabt, so ist aus der Branche zu hören. So habe er etwa den soeben angelaufenen deutschen Film "Die Unberührbare" von Oskar Roehler bei seiner Auswahl nicht für die Berlinale berücksichtigt. Eine Verlängerung seines letzten Vertrages - er lief im Mai 1998 aus - um nur zwei Jahre, hatte de Hadeln stets abgelehnt. Er hatte mit Rücktritt gedroht, sollte eine Vertragsverlängerung zwingend an einen Umzug der Berlinale an den Potsdamer Platz gekoppelt werde. Dennoch verlängerte das Kuratorium der Berliner Festspiele, in dem der Bund und das Land Berlin vertreten sind, die Verträge der beiden Berlinale-Direktoren de Hadeln (Wettbewerb) und Ulrich Gregor (Forum), der seit 1971 im Amt ist. Moritz de Hadeln gehört zum "Urgestein" der Berlinale, die von vier Festspielleitern gestaltet wurden: Alfred Bauer als Gründungsdirektor, Wolf Donner, der Reformen einleitete, Ulrich Gregor als Leiter des Forums und de Hadeln, seit 1979 für Wettbewerb, Panorama, Retrospektive, Kinderfilmfest und den Europäischen Filmmarkt verantwortlich.

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