Kultur : Break Down: Bilder aus dem World Trade Center

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Geriffelte, silbern glänzende Lüftungsrohre, die aus der Deckenverkleidung stürzen. Auf dem blau-grauen Teppich schlängeln sich nutzlos gewordene Stromleitungen. Dead End - Suite 8203. Kabelgirlanden über einem schwarzen Tresor, hinter dessen schweren Türen wohl auch nur noch die Leere klafft. Eine "FedEx"-Tüte liegt achtlos in der Ecke, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als Suite 4047, World Trade Center, zu den nobelsten Adressen der New Yorker Geschäftswelt zählte.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan Suite 4047 gibt es nicht mehr. Schräg gegenüber vom einstigen Welthandelszentrum in der Garden Street in Soho lebte Martina Geccelli. Als "Worldviews"-Stipendiatin hatte die Künstlerin in einem der Zwillingstürme ihr Atelier. Über und unter ihr sprossen die Start-Up-Unternehmen aus dem Boden, mieteten riesige Suiten für horrende Mieten, genossen den Blick auf Lower Manhattan, meldeten Konkurs an, zogen wieder aus. Bizarre Wüsten entstanden in den verlassenen Büro-Etagen. Allerdings nur für kurze Zeit, die nächsten Mieter standen bereits auf der Warteliste. In Rekordzeit wurden daher die Räume saniert. Alles neu, alles besser. Das Mobiliar des Vorgängers wurde entsorgt, schließlich war der Konkurs gegangen. Kapitalistischer Aberglaube. Geccelli dokumentiert mit ihren Fotografien aus dem Jahr 2000 den Moment des Stillstands in einer hektisch um Börsennotierungen und Gewinnprognosen kreisenden Welt (bis 28. März, Fr-So 13 bis 18 Uhr, in der Galerie co-op, Charlottenstraße 44). Nach dem 11. September ist Geccelli unfreiwillig zur Kassandra geworden. Ihre Bilder scheinen den Kollaps der Türme vorauszuahnen. Zynisch wirken da die rot-leuchtenden Lettern eines "Exit"-Schildes, das Richtung Fensterfront zeigt.

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