Kultur : Bühne für Brooklyn

Let’s Rap: Michel Gondry dokumentiert „Dave Chappelle’s Block Party“

Kolja Reichert

Ein Mikro, ein Plattenspieler, ein paar Freunde und eine Botschaft, mehr war nicht nötig, um eine „Block Party“ zu feiern. Ende der Siebziger entstand in Brooklyn auf diesen spontanen Nachbarschaftstreffs der Hip-Hop, mit Strom aus der Straßenlaterne und improvisierten Raps, die das Selbstvertrauen der schwarzen Community zum Ausdruck brachten.

Wenn Dave Chappelle eine Block Party gibt, ist die Technik perfekt, auf der Bühne geben sich die Größen des schwarzen Showbiz die Hand, und ein Kamerateam zeichnet alles auf. Der amerikanische Starcomedian, dessen Shows in Europa auf MTV ausgestrahlt werden, kann es sich leisten. 2004 war sein Vertrag für die „Chappelle’s Show“ verlängert und sein Gehalt aufgestockt worden. Zur Feier überzeugte er Stars wie Kanye West und Erykah Badu, in einer Seitenstraße in Brooklyn zu seinem persönlichen Wunschkonzert aufzuspielen. Der Eintritt war frei, geworben wurde von Mund zu Mund. Um den Abend für die Ewigkeit festzuhalten, gewann Chappelle ein prominentes Filmteam, das Vorbereitungen und Konzert dokumentierte.

Regisseur Michel Gondry, bekannt geworden durch Videoclips für Björk und Kylie Minogue sowie mit Filmen wie „The Science of Sleep“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ und „Human Nature“, pflegt meist eine surreale, träumerische Ästhetik. In „Dave Chappelle’s Block Party“ hält er sich dagegen extrem zurück und gibt den authentischen Freestyler, offen für alles, was sich ergibt. Er begleitet Chappelle, wie er mit dem Megaphon durch die Straßen fährt und das Konzert ankündigt oder wie er in seiner Heimatstadt seinen Frisör einlädt. Parallelmontagen der leeren Straße, der Proben und der fertigen Show illustrieren den kurzen Weg vom Traum zur Wirklichkeit. Dazwischen hält Chappelle kleine Vorträge: „Jeder Komiker möchte Musiker sein, und jeder Musiker denkt, er sei komisch.“ Er selbst ist jedenfalls kein Musiker, das beweist er, wenn er sich im Proberaum das Mikro schnappt und den Dilettanten gibt. Wirklich komisch ist er dabei allerdings auch nicht, so wenig wie auf der Bühne. Chappelle hat einfach nur verdammt gute Laune und das Talent, damit anzustecken.

So darf man eineinhalb Stunden zugucken, wie gute Freunde sich selbst und ihre Freude inszenieren und fortwährend von ihrer „Message“ erzählen. Nur wird nie ganz klar, um welche Botschaft es sich eigentlich handelt. Es ist schön zu sehen, wie Badu ins Publikum springt und die Fugees nach Jahren das erste gemeinsame Konzert spielen. Doch die Weltverbesserer-Attitüden sind schnell abgenutzt. Wenn sie dann noch in einem Film wie „Dave Chappelle’s Block Party“ verkauft werden, bleibt von der Street Credibility wenig übrig.

Central und Eiszeit (beides OmU)

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