Beethofen : Die Pauke kracht ins Gewitter

Marek Janowski und das Rundfunf-Sinfonieorchester spielen Beethoven. Puls, Artikulation und Aufmerksamkeit machen die Interpretation stimmig.

Sybill Mahlke

BerlinDer Streit darum, welches in Berlin neben den Philharmonikern „das andere Orchester“ sei, ist untriftig geworden. Vor 11 Jahren noch durfte das Deutsche Symponie-Orchester (DSO) in einer Festschrift diesen Titel für sich reklamieren. Auf den letzten Drücker sozusagen. Denn für die Stadt bedeutet es längst Reichtum und Gewinn, dass es heute mehrere „andere“ gleichrangige Orchester gibt, vier zumindest, voran die Staatskapelle und im symphonischen Bereich Marek Janowskis Rundfunk-Sinfonieorchester (RSB).

Beethoven steht auf dem Programm, ein Fixpunkt im Wirken des Chefdirigenten, dem seine Musiker diese Position auf Lebenszeit angetragen haben. Und sie sind aufeinander eingeschworen wie ein Herz und ein Verstand. Die ausverkaufte Philharmonie „brummt“. Da tritt der rumänische Meisterpianist Radu Lupu wie zu einer privaten Musizierstunde auf, um sich dem G-Dur-Konzert zu widmen. Während die Körpersprache des am Klavier auf seinem Sitz zurückgelehnten Solisten Gemütlichkeit suggeriert, rauscht ein spätromantischer Beethoven auf, der kein Streben nach Originalität oder klanglicher Veränderung erkennen lässt. Dem Interpreten Lupu, dem gefeierten sicheren Techniker, scheint die musikalische Neugier, die ihn früher auszeichnete, abhanden gekommen zu sein. Im Andante erreicht das sachliche Rezitativ der Streicher ungewöhnliche Dominanz.

Janowski ist kein historisch-kritischer Bilderstürmer und Skelettierer. Was seine Beethoveninterpretation stimmig macht, sind Puls, Artikulation bis in die Fagottstimme, gespannte Aufmerksamkeit der Musiker. Wie das Eröffnungsthema der Pastoralsymphonie abphrasiert wird und auf der Fermate verweilt, wie die Szene am Bach von reiner Atmosphäre glänzt bis zum Vogelgezwitscher, wie derb die Landleute tanzen, wie die acht (!) Kontrabässe mit den Celli grummeln und die Pauke ins Gewitter kracht, wie sich der Hirtengesang vollendet – das alles bringt ein verlorenes Naturgefühl in die Gegenwart: als Klangwelt Beethovens unübertroffen. Sybill Mahlke

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