Berlin Comedian Harmonists : Abba und Veronika im Ku’damm-Theater

Jeder Hersteller von Markenprodukten kennt das Problem: Wie verkaufe ich meinen Kunden Neues und versichere ihnen doch zugleich, dass alles beim Alten bleibt? Die Berlin Comedian Harmonists am Ku’damm-Theater schaffen den Schritt.

Udo Badelt
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Sängerkrieg. Die Berlin Comedian Harmonists singen jetzt auch Pop. Foto: promo

Das Sextett „Berlin Comedian Harmonists“ hat sich in den letzten Jahren Markencharakter erworben. Gegründet wurden es 1997 für Franz Wittenbrinks Stück „Veronika, der Lenz ist da – Die Comedian Harmonists“ über die legendäre Zwanziger-Jahre-Combo im Theater am Kurfürstendamm. Nur drei Monate sollte es laufen, doch der Erfolg war enorm. Jetzt feiern sich die sechs mit „Verrückte Zeiten“ selbst – wieder geschrieben von Franz Wittenbrink mit Olaf Drauschke, Regie: Lars Wernecke. Und zeigen zugleich, dass es auch anders geht.

Zunächst wiegen sie das Publikum in der Sicherheit, es habe sich nichts geändert. Wie eh und je stehen sie gestriegelt und mit blitzenden Lackschuhen in einer Reihe (mit Horst Maria Merz am Klavier), erzählen noch einmal die bekannte Geschichte von der Trennung ihrer historischen Vorbilder in der Nazizeit, streiten sich und singen dann doch wieder gemeinsam die großen Kracher von „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn“ bis zum „Kleinen grünen Kaktus“. Da aber einer keine Lust hat auf die immer gleichen Klänge – der erste Tenor Holger Off fällt vor allem durch gefärbten Haare und humoristisch gemeinte Ausflüge in den Counterbereich auf –, müssen sie nach der Pause auch neue Stücke singen, um seinen Abgang zu verhindern. Den bewährten A-cappella-Stil behalten sie auch bei den Beatles, ABBA oder Nena bei.

Das musikalische Material wird in individuelle Stimmen aufgesplittet und die jeweilige Gesangsstimme von den anderen summend begleitet. Wolfgang Höltzel kann von seinem schönen Bass leider meist nur ein dunkles „Bam-Bam“ beisteuern. Trotzdem wird es hier erstmals musikalisch innovativ, auch wenn es dramaturgisch schwach ist, sich einfach nur an den Jahrzehnten entlangzuhangeln. Aber das neue Konzept funktioniert sogar bei Michael Jacksons „Bad“ – nicht zuletzt wegen Olaf Drauschkes schriller Schreie. Allein wegen dieser Nummer lohnt sich der Abend. Und wenn die kochende Stimmung im Publikum ein Indikator ist, dann dürfte die Marke „Berlin Comedian Harmonists“ auch nach dem Relaunch weiterhin gern gekauft werden.

Wieder heute, 18 Uhr, sowie am 29.9., 6. und 20.10., 16. und 20.11., 20 Uhr.

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