Grips-Theater : Ich bin ein Star

"Rosinen im Kopf" heißt die jüngste Produktion des Grips-Theaters, die Regisseur Thomas Ahrens nach Motiven des Stücks "Der Spinner" von Volker Ludwig und Henning Spangenberg erarbeitet hat.

Patrick Wildermann

Nico weiß schon genau, was er mal werden will: berühmt. Der zehnjährige Gernegroß kennt sämtliche Castingshows mit ihren Erfolgsversprechen, von „Deutschland sucht den Superstar“ bis zu „Germany’s Next Topmodel“, und entsprechend glaubt er, zum Durchbruch gehöre nicht viel mehr als eine Kamera – und fantasiert in seiner unbändigen Luftschlossbauerei schon mal vom aufregenden Luxusleben auf Kreuzfahrtschiffen.

Derweil verdient sein allein erziehender Vater den knappen Familienunterhalt als Fahrradkurier und stöhnt über die Flausen seines Sprösslings. Wie gern würde der Junge mit seinem Klassenkameraden Oliver tauschen, dessen Papa ein reicher Werbefilmproduzent mit Porsche vor der Tür ist. Als Nico von diesem ruppigen Herrn Steinberg tatsächlich zu Probeaufnahmen eingeladen wird, scheint sein Traum vom Ruhm über Nacht zum Greifen nah.

„Rosinen im Kopf“ heißt die jüngste Produktion des Grips-Theaters, die Regisseur Thomas Ahrens nach Motiven des Stücks „Der Spinner“ von Volker Ludwig und Henning Spangenberg aus dem Jahr 1983 erarbeitet hat. Die modernisierte Erzählung mit Songtexten von Ludwig und Musik von Birger Heymann und Michael Brandt ist eine angenehm typische Grips-Arbeit: Ein klarer Konflikt, glaubhafte Figuren, kindgerechtes Tempo.

Die Frage nach der Grenze zwischen notwendigen, im besten Sinne versponnenen Zukunftsträumen und falschen, vom Fernsehen vermittelten Idealen, die ja schon die Jüngsten betrifft, stellt sich dabei unaufdringlich. Und Jens Mondalski ist in der Hauptrolle des Nico eine Wucht, kaum zu bremsen in seiner anarchischen Energie und seinem kindlichem Kampf um Anerkennung.

wieder am heutigen Samstag, 5.12., 16 Uhr und Sonntag, 13.12., 16 Uhr

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