Philharmonischer Salon : Rumänische Bauernvirtuosen lässig gespielt

Um das Leben der Dichterin und Komponistin Elisabeth von Rumänien ging es beim zehnten Jubiläum des Berliner „Philharmonischen Salons“.

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Bald zehn Jahre ist es her, dass Götz Teutsch zum ersten Mal in den „Philharmonischen Salon“ lud; im Jubiläumsjahr, fast zwei Dutzend Salon-Nachmittage später – reich an kammermusikalischen Kostbarkeiten, an Rezitationen aus Briefen oder Biografien –, hat sich Teutsch gewissermaßen selbst ein Geschenk gemacht. Der gebürtige Hermannstädter, der Rumänien 1968 verließ, stellt die 1843 geborene Elisabeth zu Wied vor, verheiratete Elisabeth zu Rumänien, die als Dichterin und Komponistin den Künstlernamen Carmen Sylva trug und den Hof von Bukarest in ein offenes Haus für Kunstschaffende verwandelte.

Dass der „Philharmonische Salon“ für die Darstellung dieses Frauenlebens einmal mehr alle Gattungen der Poesie vereinigt, ist dem Kammermusiksaal anzusehen. Rechts auf der Bühne gediegene Möbel unter einer Stehlampe, die Valentin Platareanu für seine Rezitation von Lyrik Mihail Eminescus nutzt, in der Mitte der Flügel für die Werke „ernster“ Art, die von Sylvas Protegé George Enescu stammen und von der fabelhaften Cordelia Höfer (Klavier) begleitet werden. Die Sopranistin Laura Nicorescu gibt verhangen tönende Kostproben von Versen Sylvas, Andreas Buschatz glänzt auf der Violine und der philharmonische Solo-Trompeter Tamás Velenczei noch heller auf der Trompete. In den Rängen rezitieren Jutta Wachowiak (keck eingefärbt) und Dieter Mann (bedeutungsschwer) Zeilen aus Sylvas Dichtung, berichten von Enescus Schüler Menuhin oder dem Heiratsantrag durch Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, ausgerechnet vor dem Besuch eines Konzertes mit Clara Schumann. Das eigentliche Spektakel aber findet statt, wo der Geiger Sherban Lupu, rotes Hemd, weißes Sakko, lässig mit den drei Rumänischen Bauernvirtuosen aufspielt: ein feines Karacho, ein Säbeln und Rasseln, plötzliche Exotismen und Vogelgezwitscher – diese Art von Musik gibt es wohl nur hier: Hoch lebe der „Philharmonische Salon“. Christiane Tewinkel

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