Romeo und Julia : Kevin-Prince trifft Lisa-Mandy

Shakespeare überboten: Christine Wahl über "Romeo und Julia" im Ringcenter Lichtenberg und anderswo in Berlin.

Christine Wahl

Romeo und Julia, Shakespeares Liebespaar, musste schon für viele Brennpunkte und Krisenherde herhalten. Mal wurde es als Ost-West-Liaison von kalten Kriegern in den Teenagertod getrieben, mal in amerikanischen Bandenkriegen zugrunde gerichtet.

Doch in „Romeo und Julia“, die inzwischen knapp viereinhalb Jahrhunderte auf dem literarischen Buckel haben, steckt mehr! Zum Beispiel belegt das Stück in Untersuchungen über Shakespeares obszönen Wortschatz einen unangefochtenen ersten Platz. Auf diesen Aspekt schienen sich vor zwei Jahren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel konzentriert zu haben, als sie die Story aus dem Verona des 16. ins Kreuzberg des 21. Jahrhunderts verpflanzten: Die Montagues und die Capulets sprachen einander in Neco Celiks Inszenierung als „Pisstopf“ oder „Hurenloch“ an und warfen sich zum Abschied ein neckisches: „Komm, du Schwuchtel, und lutsch an meinem Stall“ hinterher.

Diese Shakespeare-Überbietung dürfte nicht leicht zu schlagen sein – auch, wenn sich dieser Tage gleich zwei Berliner Bühnen mit Romeos und Julias sozialem Brennpunktpotenzial auseinandersetzen. Das Helmi – jenes wunderbar schräge Puppentheater am Helmholtzplatz – schafft, im Gegenteil, in seiner Version im Ballhaus Ost (am 1., 2., 4., 7. und 8.4., 20 Uhr) sogar Verbindungen zur Hochkultur. Zwar heißen Romeo und Julia hier Billybob-Kevin-Prince und Lisa-Veronique-Mandy und begegnen sich zwischen Platte, Tierpark und Ringcenter in Lichtenberg. Aber dort treffen sie den Alt-Lichtenberger Heiner Müller, der – in ordentlich postmoderner Manier gegen seinen Typ besetzt – bei „irrationalen Aggro-Handlungen“ mit der Polizei droht.

Solch ein einschreitender Bürger hätte sicher auch in Nuran David Calis’ Inszenierung alle Hände voll zu tun, die dann ab 18.4., 19 Uhr 30, im Maxim-Gorki-Theater folgt. Hier treffen sich „die Aggro-Capulets“ und „die Aggro-Montagues“ im „V.E.R.O.N.A“ – Bruder Lorenzos coolem Mitte-Laden – zum „HipHop-Battle“ mit real existierenden Szenegrößen, UdK-Studenten und Jugendlichen aus der Rütlischule, der Partnerschule des Gorki.

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