Spielsachen : Fleißig in die Hände gespuckt

Wer heute mit der Idee aufwartet, mitten in Berlin ein freies Theater gründen zu wollen, erntet vor allem mitleidige Blicke. Christine Wahl bewundert den Einsatz freier Bühnen.

Christine Wahl

Marktlücken bestehen in der darstellenden Kunst beim besten Willen nicht. Umso erstaunlicher – und erfreulicher – ist die Tatsache, dass der Versuch mit einem guten Konzept dennoch funktioniert: Gerade feierte das Ballhaus Ost – von der Schauspielerin Anne Tismer und freien Regie- und Autorenkollegen vor drei Jahren ohne Subventionen in Prenzlauer Berg gegründet – seinen dritten Geburtstag. Neben dem Sprung in die Senatsförderung vermeldet es eine beachtliche Ausweitung des Spielbetriebs.

Nur wenige Monate früher hatten sich nur ein paar Ecken weiter im zweiten Hinterhof eines ehemaligen Tabakspeichers auf der Greifswalder Straße 212/213 bereits andere professionelle (Theater-)Künstler ohne Startkapital eine Alternative zum Stadt- und Staatstheaterbetrieb geschaffen: das Eigenreich. Auch hier sind die Räumlichkeiten erweitert worden und fließen inzwischen Fördergelder, mit denen die Betriebskosten gedeckt werden. Ähnlich wie das Ballhaus Ost arbeitet auch das Eigenreich spartenübergreifend vom Film bis zum Konzert; im Theaterbereich treten viele Absolventen und Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ auf. Zum Beispiel am Sonntag um 16 Uhr in der Kindertheaterproduktion Huhu, das Gespenst, in der ein gruselwilliger Mensch namens Otto allnächtlich mit dem Vorsatz, sich ordentlich zu fürchten, in den Wald aufbricht. Das scheint auch zu klappen, als er bei einem seiner Streifzüge auf das Gespenst Huhu trifft. Problematisch wird die Sache nur, als sich herausstellt, dass selbst im düstersten Nachtgespenst wider jedes Klischee ein freundlicher, harmoniebedürftiger Zeitgenosse steckt.

Wer sich von diesem Erkenntnisschock erholt hat und mehr solches Theater sehen will, kann selbst zur Schaufel greifen. Das Eigenreich möchte expandieren und pünktlich zur 1. Langen Nacht der Opern und Theater am 25. April ab 19 Uhr eine neue Bühne eröffnen, an der zurzeit noch kräftig gewerkelt wird.

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