Kultur : Bund der Vertriebenen plant ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin

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Der Bund der Vetriebenen möchte in Berlin ein "Zentrum gegen Vertreibungen" errichten. Wie die die Sprecherin des Vertriebenen-Dachverbandes, Erika Steinbach, am Donnerstag in Berlin bekanntgab, steht die Stiftungsgründung unmittelbar bevor. Das Zentrum soll mit einer Dauerausstellung, Archiv, Bibliothek und Tagungsräumen ausgestattet sein. Seine Hauptaufgabe ist es, an das Schicksal der im Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen zu erinnern. Zugleich soll das Zentrum allen vertriebenen und unterdrückten Völkern des 20. Jahrhunderts gewidmet sein. "Die Geschehnisse im Kosovo haben die Öffentlichkeit von neuem für das Thema Vertreibung sensibilisiert - auch für das Schicksal der deutschen Vertrieben", sagt Steinbach. Es sei ein wesentliches Ziel des geplanten Zentrums, "über den Tellerrand unseres eigenen Schicksals hinaus die Sensibilität zu wecken, daß man so mit Menschen nicht umgehen darf".

Bislang haben dem Projekt unter anderen Bundesinnenminister Otto Schily und der Regierenden Bürgermeister Berlins, Diepgen, ihre Unterstützung zugesagt. Auch der Präsident der Akademie der Künste, György Konrad, sowie Tilmann Zülch, der der Gesellschaft für bedrohte Völker vorsteht, haben Unterstützung signalisiert. Christoph Stölzl konnte als Berater für das Konzept der Ausstellung gewonnen werden. Die künftige Adresse der Stiftung steht aber noch nicht fest. Im Gespräch seien derzeit Liegenschaften des Bundes im Bereich des Regierungsviertels. Der Vetriebenenverband erwarte, so Steinbach, dass der Bund sich durch die Bereitstellung einer Immobilie am Stiftungskapital beteiligt.

Zugleich unterstrich Steinbach ihre Kritik an dem von Kulturstaatsminister Naumann vorgestellten Konzept für die künftige Kulturförderung nach Paragraf 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes (BVFG). Naumanns Konzept müsse als "Zerstörung der bisherigen Kulturarbeit der Vertriebenenverbände gewertet werden und zeuge von erheblichen Defiziten in der Kenntnis der Materie".

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