Kultur : Carsten Höller

Katrin Wittneven

Anfangs merkt man es kaum. Doch der trapezförmige Einbau, den Carsten Höller in der Galerie Esther Schipper (Linienstraße 85, bis 2. Juli) installiert hat und den man über eine Treppe von unten betritt, ist in sich verzogen und zudem von der Decke der Galerie abgehängt worden. Schon leichte Berührungen bringen die metallischen Wände zum Schwingen, und unwillkürlich folgt der Besucher der Bewegung. Vor allem wenn man sich in dem kleinen Raum bewegt, lösen sich auch aufgrund der unterschiedlichen Deckenhöhen alle Gewissheiten auf. Kinder unter fünf Jahren fallen gewöhnlich um, Erwachsene verspüren schnell so etwas wie Seekrankheit. Auch die zweite Installation von Höller irritiert nachhaltig: Die Besucher werden von drei Infrarotkameras gefilmt, die Bilder in ständig wechselnder Zeitverzögerung nebeneinander an die Wand projiziert (Preise auf Anfrage). Kaum glaubt man, die Echtzeitaufnahme auszumachen, ändert sie sich wieder. Nichts bleibt. Auch hier reagiert der Betrachter unwillkürlich, sucht ständig die zeitgleiche Version und springt mit den Blicken hin und her. Bereits 2001 eröffnete die Galerie Schipper & Krome ihre Ausstellungsräume in der Linienstraße mit einer furiosen Lichtarbeit von Höller, die aus fast 2000 Glühbirnen bestand. Nach einem fünfmonatigen Umbau durch die Londoner Architekten Caruso St. John weiht Esther Schipper unter neuem Namen wieder mit Höller ihre Galerieräume ein. Dass dieser vor vielen Jahren im Hamburger Kunstverein eine Ausstellung über das Thema „Glück“ eingerichtet hat, mag dafür als gutes Omen gelten.

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