Kultur : Castor-Transporte: Der französische Atomexperte Mycle Schneider über die Verträge

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Mycle Schneider (42) ist Atomexperte und Chef des Pariser Energie-Informationsdienstes Wise.

Bei den Atomtransporten blicken viele nicht mehr durch. Worum geht es überhaupt?

Die ehemalige Alkem-Brennelementefirma in Hanau, die dazu diente, so genannte Mox-Elemente herzustellen, ist ja still gelegt worden. Mox-Elemente bestehen aus Mischoxid, Uran und Plutonium. Im Rahmen des Leerfahrens, für das es auch eine spezifische Genehmigung gegeben hat, sind Lagerelemente produziert worden, die wie normale Brennelemente aussehen, aber keine Qualitätskontrollen durchlaufen haben. Sie dienen dazu, Reste und unverarbeitete Mengen an Plutonium und unverarbeitetes Material zu lagern. Dieses Material war problematisch zu lagern, denn es gibt keinen Ort dafür, für den eine langfristige Genehmigung besteht.

So kam das Material nach Frankreich?

Genau. Wie schon oft war Cogema als Retterin in der Not zur Stelle und hat einen Vertrag zum Transport und zur Wiederaufarbeitung des Materials mit der DWK, der deutschen Gesellschaft für die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen, im Oktober 1997 unterzeichnet.

Und in Erfüllung dieses Vertrages laufen jetzt die Transporte?

Ja, im August und September sind vier Transporte nach La Hague gegangen. Das wirft aber auch politische Fragen auf. Die französische Regierung hatte ja an sich erklärt, dass keine Transporte mehr nach La Hague laufen sollen, bis die Bundesrepublik ihrer Verantwortung nachkommt und wenigstens anfängt, ihre Berge Atommüll, die noch in La Hague lagern, zurückzunehmen. Aus deutscher Sicht ist es ebenfalls problematisch. Vom Transportstopp Merkels sind diese Transporte zwar nicht betroffen, weil sie in anderen Containern gefahren werden. Politisch ist es aber höchst fraglich, sie ohne Information der Öffentlichkeit durchzuführen - wo sie doch angeblich so normal sind.

Reden wir denn hier überhaupt über Atommüll? Nach Ansicht der Cogema handelt es sich ja nicht um Müll.

Die Frage, ob es sich um Müll handelt, hängt vom Verwendungszweck ab. Ein Teil des abgebrannten Brennstoffs aus deutschen Atomkraftwerken wird nicht wieder aufgearbeitet, und es handelt sich deshalb um Müll. Bei dem Material, was jetzt an die Cogema geliefert wurde, ist deshalb die Frage entscheidend, ob eine Wiederverwertung möglich ist oder nicht.

Also eine Frage der Genehmigungslage?

Ja. Wenn Plutonium und Uran abgetrennt und wiederverwendet werden, handelt es sich nicht um Müll. Wenn sich aber herausstellt, dass es für dieses Material keine Genehmigung für die Extraktion und Wiederaufarbeitung gibt, wird dieses Material zu Müll. Und wie wir wissen, umfasst die Genehmigung keine Wiederaufarbeitung. Die Lagerung von ausländischem Atommüll ist aber in Frankreich per Gesetz verboten.

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