CD der Woche : Wie eine Aufnahme entsteht

Ein spannender Dokumentarfilm beobachtet den Pianisten Lang Lang bei Aufnahmesitzungen mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Diese neue CD mit Klavierkonzerten von Bartok und Prokofjew ist zeitgleich erschienen - und ein begeisterndes Hörerlebnis.

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Das CD-Cover
Das CD-CoverFoto: Sony

Beim Musikmachen habe ich mich noch nie erschöpft gefühlt“, sagt Lang Lang. „Was ich aber manchmal als ermüdend empfinde, sind die vielen Reisen – und die unzähligen Interviews.“ Der chinesische Pianist sitzt auf einer Bank im Tiergarten. Gerade hat er seine Aufnahmesitzungen mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern abgeschlossen, er würde jetzt gerne für sich durch die Natur streifen. Aber die Kameraleute der Deutschen Welle sind ihm auf den Fersen. Fürs Auslandsfernsehen wird eine Dokumentation gedreht, die den Entstehungsprozess einer CD nachzeichnet. „The Highest Level“ nennt Regisseur Christian Berger seinen 60-Minuten-Film, und in der Tat lässt sich derzeit keine brillantere Künstlerkombination vorstellen, wenn es um Sergej Prokofjews 3. Klavierkonzert und Béla Bartóks 2. Klavierkonzert geht.

Aberwitzig schwer zu spielende Musik liegt Lang Lang perfekt. Beide Werke künden von Modernitätseuphorie im Maschinenzeitalter, beide wurden 1921 respektive 1931 von Komponisten einst für den eigenen Gebrauch geschrieben, um auf Tourneen Effekt zu machen. Prokofjews Konzert ist ein Paradebeispiel des musikalischen Dandytums, mit allen Duftwassern gewaschen. Bartóks Musik ist scharfkantiger, vielschichtiger, aber auch hier geht es nur selten um gedankliche Versenkung, auch hier steht der Flirt des Solisten mit dem hingerissen lauschenden Publikum im Mittelpunkt. Klug verankert Rattle in den Interviewsequenzen der Dokumentation die Werke im musikästhetischen Kontext, während Lang Lang aufführungspraktisch denkt, in die Kamera strahlt und seine naive Begeisterung immer wieder mit fliegenden Fingern an der Tastatur unterstreicht – ein kindlicher Kaiser der Klassik.

Dass die Berliner Philharmoniker Lang Lang auf Augenhöhe begegnen, weil sie allesamt ebenfalls Virtuosen auf ihren Instrumenten sind, dass sie so hochenergetisch musizieren wie er, macht die CD zum Hörvergnügen. Die Dokumentation aber fasziniert noch mehr, weil sie eine Welt jenseits der öffentlichen Konzerterlebnisse aufschließt, die Konzentration bei den Aufnahmesitzungen in der Philharmonie ebenso einfängt wie bei der anschließenden Hörkontrolle im Tonstudio. In einer Art Schwalbennest, hoch oben unter der Saaldecke, sitzt der heimliche Star des Films: Christoph Franke, der Tonmeister. Ein Mann mit unbestechlichem Gehör, der die größte Verantwortung bei diesem Aufnahmeprojekt trägt – weil die Spitzenmusiker ihn uneingeschränkt als obersten Qualitätskontrolleur respektieren.

Schade nur, dass die DVD-Version des Deutsche-Welle-Films so lieblos gemacht ist: Zeitangaben zur Länge der Dokumentation wie zum Mitschnitt des Prokofjew-Konzerts fehlen, zudem lässt sich aus den dürren Informationen auf der Hülle nicht erahnen, was für ein exklusiver Einblick in den künstlerischen Entstehungsprozess geboten wird. CD und DVD sind bei Sony erschienen.

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