Kultur : Chanson: Heidegger, wie er swingt und rappt

Roman Rhode

Mit "Pigor singt, Eichhorn muss begleiten" haben sie die Off-Bühnen gestürmt und sich 1999 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson erobert: Thomas Pigor kraft seines verbalen Trommelfeuers, Benedikt Eichhorn, indem er seinem Kompagnon die Ladestreifen auf dem Klavier zurechtlegt. Drei Programmgarben feuerte das Duo bisher ab, nun hat es für sein "Volumen 3b" einen neuen Mitspieler rekrutiert: "den Ulf".

Ob der sich mit dem untergebutterten Besserwisser am Flügel gegen die Logorrhöe des knallharten Talkmasters verbünden kann? Wohl kaum, denn Ulf Henrich gibt den stillen Technik-Freak, der hinter seinem Computer steht, um "die rhythmischen Schwierigkeiten" des Duos auszubügeln. Ungebremst wie eh und je läuft Pigor daher über die Bühne der Kalkscheune, ein Tiger im Käfig - und bleckt seine Zähne. Legt sich an mit Haider, Hitler und dem eigenen Pianisten, sinniert über die umständlich zu öffnende Verpackung von Audio- und Videokassetten oder persifliert die Message auf der unteren Ecke von Hotelbadezimmerspiegeln. Pigors Reime zielen aufs kulturelle Einerlei ("Die absolute Härte sind Gala-Konzerte"), Rentner im ICE und den verquasten Jargon der Eigentlichkeit.

Volltreffer: Hier gerät das Kabarettchanson tatsächlich zum "sublim-anarchistischen Akt - als Pakt gegen den Mainstream." Die Munition dazu: ein geistvoll-bissiges Idiom, das swingt und rappt, heideggert und scratcht, bis der Satzbau kracht. Und die Wortgeschosse detonieren mitten im Zwerchfell des Publikums.

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