Kultur : Chansonabend im Grünen Salon der Volksbühne

Norbert Tefelski

Eine blonde Klabauterfrau mit strahlend verschalkten Augen singt von Seemännern, Nixen, preist ihre Badekappe als Zufluchtsmütze. Eine originelle Metapher fürs Verliebt-gewesen-sein schrieb sich Isabel Tuengerthal mit "Ich war das Schneehuhn, du der Schnee auf den knackigen Leib". Zum optischen Ausgleich für all das Wasser fügt sich ihr erdbraunes Kleid trefflich in den Grünen Salon der Volksbühne. Unfüglich hingegen hintertreiben "Lieder gegen die Schwerkraft" (erneut am 16., 23. und 30.10., 20 Uhr) gängige Vorstellungen von einem Chanson-Abend. Allein der Mann am Klavier: schluffig, mit Matte fabriziert Manuel Ganzer verzwackte Melodien, die der Veranstalter hilflos als atonal ankündigte. Brüche und Tempiwechsel und perlende Dissonanzen kennzeichnen eine Kunstmusik, die, nach anfänglicher Faszination, das halbe Problem des ganzen Programms offenbart: Rücksichtloser Individualismus wird irgenwann fad. Gleicher Schuh, selbes Paar, die andere Hälfte des Problems: Das ungeschliffene Spintisieren aus Tuengerthalschen Tiefen fördert wohl Rohdiamanten zu Tage, aber auch banalen Schotter wie "Die Spiele der Kinder sind grausam, weil sie oft jede Regel verletzen". Freilich, Irritationen tun gut - sie täten noch besser, überraschten sie innerhalb gewisser dramaturgischer Regeln.

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