Christine Lemke-Matwey graust’s vor gar nichts : Brüste raus und ran an die Gänse

Ach, wer möchte in Zeiten wie diesen noch Frau sein? Ich nicht.

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Christine Lemke-Matwey Foto: Mike Wolff
Christine Lemke-Matwey.Foto: Mike Wolff

Christine Neubauer hat abgenommen, Britney Spears nicht, bei Maria Riesch, seit sie Höfl heißt, kurvt die Angst mit um die Slalomstangen, Katharina Wagner wird zuhause gebraucht (weshalb sie auf ihr Debüt als TV-Moderatorin verzichtet), und Charlotte Lindholm hat ’nen Neuen mit Bart – das Übliche. Bliebe zu fragen, was Stefanie zu Guttenberg so treibt, und ob es nicht ganz doll piekst, wenn man für Heiligabend die Schleppe seiner Lieblingsrobe nach innen klappt und in Höhe des dritten Lendenwirbels provisorisch festtackert? Das ist nur einer der vielen Tipps der Modedesignerin und Kanzlerinnenausstatterin Anna von Griesheim, wie man seine Lieben unterm Tannenbaum nicht Jahr für Jahr mit demselben Fummel langweilt. Also, meine Damen: Schleppen rein, Brüste raus – und ran an die Gänse.

Und kaum wird wirklich einmal eine staatstragende Entscheidung im Sinne der Frau gefällt, eine hoch musikalische obendrein, lacht halb Europa sich scheckig. Die sind zu blöd, den Euro zu retten, die Europäer, und haben nichts Besseres zu tun, als sich über Österreich zu mokieren, wo kürzlich gegen eine Protestwelle aus Testosteron der Text der Nationalhymne genderneutral angepasst wurde? Ist es etwa kein Fortschritt, dass auch Gerlinde „K2“ Kaltenbrunner und Babsi Rett jetzt mitsingen können, als „große Töchter“ und nicht länger als „große Söhne“?

Von Reiner „Calli“ Calmunds dicker Autobiografie redet in diesem Zusammenhang natürlich niemand. Deren erste Auflage musste komplett eingestampft werden, weil der Ex-Leverkusener im Vorwort die gute dritte Strophe (wie ging die noch mal?) der deutschen Hymne mit der bösen ersten verwechselt hatte, tz, tz, tz. Die Ösis haben nur ein kleines Genderproblem, wir haben immer gleich eins mit Großdeutschland. Toll, dass der Kriegsteilnehmer Helmut Schmidt uns daran erinnert hat. Ich finde, Deutschland sollte seine Reparationszahlungen wieder aufnehmen, anhängig seit Leipzigeinundleipzig, äh, 1946. Und überhaupt die alten Aschekübel neu füllen. Dann ist der Euro ganz bestimmt bald wieder heil.

Apropos: Unlängst habe ich in einem Boardinghouse übernachtet, zu dessen Konzept es gehört, teils Altersheim zu sein und teils Hotel. Ich frühstückte also mit lauter potenziellen KriegsteilnehmerInnen, wo hat man das schon noch. An der Mehrzahl der winzigen Tischchen mit noch winzigeren Namenskärtchen saßen Frauen, Frauen ohne Männer. Einige machten einen ausgesprochen fitten Eindruck, als wären sie prophylaktisch ins Altersheim gezogen. Wie sagte der Wiener Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller anlässlich seines 90. Geburtstags vor einer Woche? „Frauen sind unbegrenzt dehnbar.“ Ich weiß nicht, wie er das meint, aber bei den wenigen Ehepaaren im Frühstücksraum waren die Gattinnen den Gatten definitiv nicht dehnbar genug. Die einen sprachen gar nicht mehr miteinander, die anderen rangelten am Buffet ums letzte Croissant oder rempelten sich absichtlich mit ihren Rolatoren an. Gut finde ich, dass alte Menschen kein Blatt vor den Mund nehmen. „Mein Leben besteht aus lauter Missverständnissen, weil du nicht hören kannst!“, rief Herr Dr. Volkmann am dritten Morgen laut, woraufhin Frau Dr. Volkmann zurückkrächzte: „Du mit deinen alten Geschichten!“

Ich weiß nicht, wie ich sein werde, wenn ich alt bin. Momentan käme es mir fast schlimmer vor, noch einmal jung sein zu müssen. Die Generation der jungen Frauen, lerne ich in der „FAZ“, gehe lieber zum Brazilian-Waxing als zur Wahl. Ein schöner Stabreim, zweifellos. Nur: Was ist Brazilian-Waxing? Bestimmt etwas, das ganz doll piekst. Und die nächste Wahl gewinnt sowieso die SPD.

An dieser Stelle wechseln sich ab: Elena Senft, Moritz Rinke, Christine Lemke-Matwey und Jens Mühling.

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