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CITY Lights : Bengalische Feuer

07.09.2011 16:44 Uhrvon

Eigentlich gilt in dieser Kolumne das ungeschriebene Gesetz, jedes Sujet nur einmal vorkommen zu lassen und alsdann zu frischen Weidegründen weiterzuziehen. Doch auch diese Regel hat ihre Ausnahmen. Und so würdigt nach dem geschätzten Kollegen letzte Woche auch die Stadterleuchterin erneut das Werk von Akira Kurosawa, das bis Ende Oktober im Arsenal präsentiert wird. Oder wenigstens zwei Filme daraus – wiederum unbekanntere Stücke aus der Nachkriegszeit (vom Frühwerk zu sprechen wäre angesichts von Kurosawas Geburtsjahr 1910 nicht angemessen), die auch deutlicher als die klassischen Arbeiten die weit gespannten Einflüsse auf den Filmstil des späteren Meisters zeigen.

Waga seishun ni kui nashi / Jugend ohne Reue (Sonntag) ist 1946 entstanden und der einzige Film Kurosawas, in dem eine Heldin im Mittelpunkt steht: Es ist Yuki, die behütet aufgewachsene Tochter eines idealistischen Professors, die mit dem Aufstieg der faschistischen Bewegung im Japan mitten in die gewaltsamen politischen Turbulenzen der Zeit gerät. Langsam und verlustreich findet die junge Frau – die spätere Ozu-Lieblingsdarstellerin Setsuko Hara gibt sie großartig und ungewohnt expressiv – den eigenen bedeutungsvollen Platz in der Welt.

Dem unter der Zensur der US-Besatzung entstandenen Film hat man allzu direkte und frisch gewendete Propaganda für die demokratische Sache vorgeworfen. Doch schon die nicht nur für damalige Zeiten ungewöhnlich starke und eigenständige Frauenfigur lässt ihn bis heute als rares Einzelstück leuchten. Die Montage vieler Arbeits- und Kampfszenen assoziiert in ihrer Wucht sowjetisches Stummfilmkino, die Lichtführung deutschen Expressionismus, die Narration ist kunstvoll elliptisch.

Das Gegenmodell zu dieser Ästhetik gibt Subarashiki nichiyobi / Ein wunderschöner Sonntag (Sonntag und Dienstag): In dem 1947 entstandenen Film entfaltet der Regisseur den Verlauf eines hindernisreichen Sonntags im Leben eines mittellosen Paares kleinteilig über 108 Filmminuten, wobei er sich trotz der bitteren Themen von Armut und Hoffnungslosigkeit mit fast lichter Klarheit am Formwillen des italienischen Neorealismus orientiert. Im Programmheft ist prägnant von der japanischen „Version eines Trümmerfilms“ die Rede.

Als das japanische Kino Anfang der 50er den Weg nach Europa fand, war die Filmgeschichte über die Nachkriegsfilme schon hinweggeschritten. Ein halbes Jahrhundert später hat sich die westliche Wahrnehmung und stetig wachsende Kenntnis des asiatischen Kinos nach Süden ausgeweitet – und nach China, Korea und Thailand längst auch die Filmkulturen der Philippinen und Indonesiens entdeckt. Zusätzlich geben neue preiswerte Techniken und verbesserte Vertriebsmöglichkeiten der Verbreitung auch kleinerer Produktionen jenseits der traditionellen Festivals einen neuen Rahmen.

Ein vortreffliches Beispiel ist das morgen beginnende Asian Hot Shots Berlin, das seit vier Jahren als Festival für junges asiatisches Kino im Kreuzberger Moviemento stattfindet und sich (mit queer-erotischen Akzenten) hauptsächlich im südöstlichen Asien bedient. Eröffnet wird mit Gandu (Regie: Qaushik Mukherjee alias Q), einer preisgekrönten indischbengalischen Produktion, die mit unruhig-zappelndem Look, hartem Rap und einem drogendüsteren bizarren Plot sowohl Bollywood-Adepten wie Freunde des getragenen Kunstkinos schnellstens in die Flucht schlagen dürfte.

Ähnlich junges, doch visuell durchaus gefälligeres Kino aus Indonesien bietet Belkibolang (Sonnabend und Sonntag zur Matinee), ein Episodenfilm von neun indonesischen Filmemachern aus dem nächtlichen Djakarta; das Drehbuch hat Titien Wattimena geschrieben. Es ist ein bei aller popbunten Vielfalt atmosphärisch dichter und kongruenter Film, dessen Geschichten von einer zart wortlosen Begegnung im Tropenwolkenbruch unter knallgelbem Regenschirm bis zur Ehekrise im Taxi reichen. Und der Mond ist immer dabei.

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