CITY Lights : Mein kürzester Lieblingsfilm

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Abschied fällt schwer. Besonders, wenn die Beziehung länger als eine ganze Dekade gehalten hat. Dreizehn ganze Jahre – man glaubt es kaum! – rückte die Stadterleuchterin hier im wöchentlichen Wechsel mit dem Kollegen Frank Noack die Perlen der unübersichtlichen Berliner Kinolandschaft ins funkelnde Licht. Heute erscheint die Kolumne in dieser Form zum letzten Mal. Für die Autorin bedeutet das zwar mehr Freiheit. Dennoch wird ihr die regelmäßige Versenkung in die Filmgeschichte fehlen – mit den vielen, vielen in der Anmutung seriös dienstlicher Pflichterfüllung gefärbten Coach-Potato-Stunden vorm DVDSpieler. Fehlen wird ihr auch die anregende Zusammenarbeit mit den Veranstaltern von Festivals, Retrospektiven und Hommagen, die mit Eifer und Enthusiasmus das filmische Leben dieser Stadt so unverwechselbar bereichern.

Ein Genre, das oft durch die Raster von Programmierung und Filmkritik fällt, ist die kurze Form, der früher in vielen Kinos einmal im Jahr in den bunten Weihnachts- oder Silvesterprogrammen gefrönt wurde. Diese Tradition ist leider ausgestorben. Doch seit dem vergangenen Jahr gibt es, zumindest als Ersatz, den Kurzfilmtag, der zur Wintersonnenwende den kürzesten Tag des Jahres mit kurzen Filmen erhellen soll. In Berlin sind am Sonnabend acht Kinos (von Acud über Lichtblick bis Zukunft) und einige andere Institutionen wie die Literaturwerkstatt mit unterschiedlichsten Programmen beteiligt.

Im Brotfabrik-Kino sind – besonders exotischer Beitrag – behördlich produzierte Social-Guidance-Filme der Jahre 1948 bis 1965 zu sehen, die US-Jugendliche von Geschlechtskrankheiten und anderweitigen Bedrohungen fernhalten sollten. Einen im Wortsinn zauberhaften Bogen durch die Filmgeschichte schlägt dagegen ein von Berlinale-Kuratorin Maike Mia Höhne im Arsenal vorgestelltes Programm, das im Jahr 1904 mit Georges Méliès als Zauberkünstler und Neptun beginnt. Es folgt eine psychedelisch angeregte Mischung mit Klassikern des Experimentalfilms wie Bruce Conner, Hollis Frampton, Richard Serra und Peter Weiss. Liebling der Stadterleuchterin aber ist das 1958 entstandene Super-8Filmgedicht „Glimpse of the Garden“ von Marie Menken: Zwischen Blüten, Vogelzwitschern und Finsternis führt es bravourös vor, welche Wunder man auf nur fünf Minuten und acht Sekunden Zelluloid vollbringen kann.

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