CITY Lights : Oldies und Oldtimer

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3-D-Kameras und Geschwafel von „Raumkonzepten“ gab es offensichtlich schon damals. Ehestreit sowieso. Der Architekt Mark Wallace (Albert Finney) hat es mit hohlen Sprüchen weit gebracht und reist mit Ehefrau Joanna (Audrey Hepburn) im weißen Cabrio zu einem reichen Auftraggeber an die Côte d’Azur. Die Ehe kriselt, nicht zum ersten Mal, auch im Reisen hat das Paar Übung. Ein Umstand, den das Drehbuch von Two for the Road (1967) nutzt, um Beziehungskrisen und Autoreisen in einem Kaleidoskop von Rückblenden kunstvoll miteinander zu verschränken und nebenbei touristisch attraktive Landschaften Südfrankreichs abzufahren (Sonnabend bis Montag im Regenbogenkino). Der Grundton ist komödiantisch. Und: Allerlei Autotypen jener Zeit erfreuen das Nostalgikerherz.

Zwanzig Jahre später hat sich in Claude Chabrols Masken bis auf die pastellbunte Medienwelt im Fernsehstudio scheinbar wenig verändert. Nur die Autos sind klobiger geworden, ein rosa Cadillac spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Die Vergangenheit lebt auch hier fort. Doch statt des Gestus erinnernden Aufblätterns sind es Tarnung und Aufdeckung, die die Intrige begründen – wie sich das bei einem echten Chabrol gehört. Gegenspieler des alternden Showmaster Lagagneur plus Entourage ist sein junger Biograf, der sich im Landhaus der TV-Größe einnistet. Auch er verfolgt seine eigene verborgene Agenda. Die medienkritische Kriminalkomödie von 1986 – Das Lichtblick eröffnet damit am Donnerstag eine Chabrol-Reihe – ist ein Klassiker und wie ein gutes Boulevardstück präzise und ökonomisch inszeniert.

Gleich drei Institutionen, vom Zeughaus-Kino über die Heinrich-Böll-Stiftung zum Haus der Kulturen der Welt, widmen sich derzeit aus Anlass des 50. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens dem migrantischen Filmschaffen, von Sema Poyraz' Gölge (1980) bis zum frischen Hit Almanya. Einen besonderen Akzent bietet dabei Aysun Bademsoys Dokumentarfilm Am Rande der Städte (2006), der am Sonnabend im HKW in Anwesenheit der Regisseurin gezeigt wird: Nicht vom oft bedrängten Leben der Gastarbeiter und ihrer Familien in Hamburg oder Gelsenkirchen erzählt er, sondern von dem Danach. Bademsoy besucht ihre Geburtsstadt Mersin am Mittelmeer, wo viele aus Deutschland zurückgekehrte Rentner in riesigen Apartmentsiedlungen Eigentum erworben haben. Die penibel ordentlichen, von ihrer Umwelt isolierten Wohnmaschinen wirken wie Metaphern für die Stein gewordenen Hoffnungen ihrer Bewohner. Glücklich wirken die nicht, auch wenn die wenigsten das zugeben. Die Rede von der sogenannten Parallelwelt: In diesen re-migrantischen Retortenstädten findet sie zu unheimlicher Realität.

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