CITY Lights : Rächerinnen, Raubkatzen

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Auf wichtige Termine kann man gar nicht früh genug hinweisen – und der 50. Geburtstag von James Bond gehört eindeutig dazu. Die erste Klappe für „Dr. No“ fiel am 16. Januar 1962, und am 5. Oktober war Premiere. Das sind gleich zwei Feiertage, die man sich vormerken sollte. Unzählige Male sind die Bond-Filme kopiert worden; um eine Kopie handelt es sich auf den ersten Blick auch bei Ralph Thomas’ Deadlier Than the Male von 1967 (Montag im Babylon Mitte). Sogar Hauptdarsteller Richard Johnson war zweite Wahl, er hatte sich erfolglos um die Bond-Rolle beworben. Doch eine gewöhnliche Kopie liegt hier nicht vor. Denn Thomas' Film basiert auf einem Roman über den britischen Geheimagenten Bulldog Drummond, und diese Figur gibt es seit 1920. Drummond ist das Original, Bond die Kopie. Nach dem Durchbruch der Kopie hat sich das Original einfach nur zurückgemeldet.

Seinen Kultstatus verdankt „Deadlier Than the Male“ zwei mit Dynamit hantierenden Schurkinnen, die den blassen Helden mühelos an die Wand spielen. Das erklärt auch den deutschen Verleihtitel „Heiße Katzen“: Sylva Koscina, eine Italienerin kroatischer Herkunft, und unsere Elke Sommer wurden als „Eurobabes“ angepriesen, und Sommer gar als „teutonic temptress“. Zwei so bezaubernde, sich naiv gebende Profikillerinnen hatte es im Kino bis dahin nicht gegeben. Und seitdem auch nicht wieder.

Im Vergleich dazu wirkt François Truffauts Die Braut trug schwarz (1968) politisch überkorrekt. Jeanne Moreau tötet nicht aus Habgier, sondern aus Verzweiflung. Unmittelbar nach der kirchlichen Trauung ist ihr Ehemann erschossen worden. Sie tötet die fünf Männer, die seinen Tod zu verantworten haben, auf fünf verschiedene Weisen (Montag im Lichtblick). Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock basiert auf einer Vorlage von Cornell Woolrich („Das Fenster zum Hof“). In der stärksten Sequenz steht Moreau Modell für einen Maler, der auf ihrer Todesliste steht. Der Mann ist so leichtsinnig, sie als Göttin der Jagd mit Pfeil und Bogen posieren zu lassen.

Nur einen einzigen Ausflug ins Actiongenre hat sich Marilyn Monroe geleistet, und er hat ihr gut getan. Otto Preminger befreite sie für seinen CinemaScope-Western Fluss ohne Wiederkehr (1954) aus der künstlichen Studiowelt und setzte sie der wilden, ungezähmten Natur aus. Ihre Satinkleider musste sie gegen Jeans tauschen, das kuschelige Sofa gegen ein Floß im Wildbach (Montag im Arsenal). Ihre Partner waren ausnahmsweise keine liebenswert-trotteligen Komiker, sondern zwei harte Jungs mit Knast-Erfahrung: Robert Mitchum und Rory Calhoun. Premingers Vorliebe für lange durchgehende Einstellungen stellten die notorisch textschwache Monroe auf eine harte Probe, aber sie hat sie bestanden. Und Raum zum Singen bekommt sie auch.

Preminger war in der Branche als Sadist gefürchtet. Wie schlimm sich das begriffsbildende Original benahm, hätte der 1969 von Artur Brauner produzierte Europudding Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade zeigen können (Sonntag, Tilsiter Lichtspiele) Doch Keir Dullea macht aus dem Widerling einen idealistischen Vorkämpfer der sexuellen Revolution, der das Pech hat, von seiner herzlosen Schwiegermutter (Lilli Palmer) verleumdet zu werden. Kein drastischer Film, aber immerhin ein Muss für Liebhaber des prominent besetzten Ausstattungskinos.

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