CITY Lights : Subversiv bleiben!

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Filmaufnahmen aus Syrien sind allgegenwärtig: in den Nachrichtensendungen, auf Facebook und Twitter. Meist handelt es sich um verwackelte Bilder von Demonstrationen, die vom Militär brutal aufgelöst werden. Der Wert dieser Aufnahmen steht außer Frage. Auf andere Weise wertvoll sind Spielfilme, die sich Zeit nehmen, um die Situation im Lande zu erfassen, mit Individuen im Mittelpunkt. Das Programm Behind Walls (Freitag im Arsenal) besteht aus drei kurzen Filmen aus Syrien, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind. In Reem Ghazzis Crack wird ein Schneider durch die Verhaftung seines Sohnes in die Isolation getrieben; Two Cities and a Prison von Soudade Kaadan dokumentiert ein Theaterprojekt über Gewalt, an dem auch junge Straftäter beteiligt werden. Die Regisseurin Reem Ali kommt sogar persönlich nach Berlin, um ihre 46-minütige Familienstudie Foam vorzustellen. Bei der Gelegenheit wird das Publikum mehr über die Grenzen und Möglichkeiten syrischer Filmemacher erfahren. Dass es für einige von ihnen immerhin noch Reisefreiheit gibt, lässt hoffen.

Nicht verboten, aber bestenfalls geduldet wurde Karl Valentin nach dem Machtantritt der Nazis. Die hätten eigentlich froh sein sollen, dass der bedeutendste deutsche Komiker im Land geblieben war, doch sein Humor war niemals zum Schenkelklopfen, sondern fast immer anarchisch und subversiv. Im Verlauf der Orchesterprobe (1933) bekämpfen sich der Dirigent und ein aufsässiger Musiker erst mit Worten, dann mit Taktstock und Geigenbogen, und Im Schallplattenladen (1934) werden Schallplatten zerkratzt und zerbrochen. Musik zu zweien (1936) vervollständigt das Kurzfilmprogramm (Sonntag im Arsenal). Valentins Lust am Zerstören beschränkt sich nicht auf Objekte. Auch sprachlich richtet er ein großartiges Chaos an, keine Satzhälfte passt zur anderen, jede Äußerung enthält ihr Gegenteil. Und der Dirigent des Orchesters ist eine Frau mit angeklebtem Bart: Valentins Partnerin Liesl Karlstadt.

Der Zweite Weltkrieg produzierte ein paar Unruhestifter der grausamen Art. Mehrere Triebtäter nutzten die Verdunkelung, um Frauen zu ermorden. Die Polizei erwies sich als machtlos, also musste die SS eingreifen: Massenmörder, die einen Serienkiller jagen. Der aus dem US-Exil zurückgekehrte Regisseur Robert Siodmak wagte sich 1957 an dieses Thema, mit durchschlagendem Erfolg: Nachts, wenn der Teufel kam gewann den Deutschen Filmpreis, eine Oscar-Nominierung und sogar einen Bambi (Montag im Bundesplatz-Kino). Mario Adorf spielt den bulligen Serientäter – offenbar hatte das westdeutsche Publikum damals von edlen Ärzten und Förstern die Nase voll.

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