Kultur : Cooles Blech

Nachwuchsstars verleihen der Trompete neuen Glanz

Karin Erichsen

Prächtige Galaprogramme, brav gescheitelte Schwiegersohntypen in TV-Musikshows, ein ergrautes Publikum – das Image der klassischen Trompetenmusik ist in der Ära nach dem legendären Maurice André in traurigste Niederungen abgerutscht. Jetzt aber knüpfen drei junge Künstler an die großen Traditionen an: Sergej Nakariakov beeindruckte schon als Kind in Nischni Nowgorod durch enorme Virtuosität. Mit 30 Jahren hat er sein Spiel zu einer technischen Perfektion gebracht, die Dirigenten wie Kent Nagano veranlasste, Trompetenkonzerte wieder ins Programm zu nehmen. Gleiches gelang der 29-jährigen Alison Balsom in ihrer britischen Heimat bei den BBC-Orchestern unter Andrew Davis oder Roger Norrington. Nun beginnt sie ihren Siegeszug auf dem Kontinent, nachdem sie für ihre jüngste, bei EMI erschienene Bach- CD einen „Echo Klassik“ als „Nachwuchskünstlerin 2007“ erhalten hat.

In die großen Fußstapfen des Maurice André aber tritt insbesondere der 31-jährige Gábor Boldoczki. Auch wenn er den Vergleich als „gefährliche Ehre“ empfindet: der Ungar, der auch perfekt Deutsch spricht, ist die strahlendste Figur der Trompeten-Renaissance. Schon mit neun Jahren erhielt er Unterricht, zunächst vom Vater, der ebenfalls „Trompetist“ war, später auf der Budapester Musikhochschule. Die Weltkarriere begann 1997 mit dem Sieg beim ARD-Musikwettbewerb und dem ersten Preis beim „Grand Prix de la Ville de Paris“, dem 3. Internationalen Maurice-André-Wettbewerb. Vor allem in Deutschland wird der Künstler seither viel gebucht. Sein Stil ist luftig, spielerisch, elegant. Wie spontan ersonnen, tanzen die Töne über lange Atembögen. So klingt auch das neue Album mit Werken von Händel und Telemann, das Boldoczki mit dem polnischen Kammerorchester Sinfonia Varsovia für das Label Sony aufgenommen hat. Die meisten Stücke wurden ursprünglich für Oboe und Orgel komponiert. Wie im 18. Jahrhundert üblich hat Boldoczki die Originalvorlagen für sein Instrument umarrangiert. Und das klingt so gut, dass man es einfach immer wieder von vorne anhören muss. Karin Erichsen

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