Kultur : Danaergeschenk

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Bernhard Schulz über

die Münchner Sammlung Brandhorst

Kaum ein anderes Publikum sei so kunstbegeistert wie das Münchner, hat der Kölner Sammler Udo Brandhorst erklärt, als er der bayerischen Kapitale vor drei Jahren seine rund 550 Werke von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst umfassende Sammlung zum Geschenk machte. Freudig griff der Freistaat zu – und versprach im Gegenzug einen auf 50 Millionen Euro geschätzten Museumsneubau zur Unterbringung. Der Vorgang löste erbitterte Kontroversen aus, errichtete Bayern doch zur gleichen Zeit den Neubau für die „Pinakothek der Moderne“, die, so war’s gedacht, die gesamte Kunst des 20. Jahrhunderts aufnehmen sollte. Aber für den generösen Sammler vergaß der Freistaat sein Museumskonzept – und baut nun ein SammlerSonder-Museum. Es ist nicht das erste dieser hybriden Art: privat, was Auswahl und Gewichtigung der Kunst, öffentlich, was Gebäude und Folgekosten angeht. Allerorten suchen ehrwürdige Museen die Flaute in ihren Ankaufsetats durch Einwerbung privater Kollektionen zu überspielen. Das kann, wie das Berliner Beispiel der Berggruen-Sammlung zeigt, glanzvoll gelingen – zugleich aber die der Sache nach gebotene Einordnung in die bestehenden Museen – hier die Nationalgalerie – verweigern. Die kunstsinnigen Münchner dürfen auf das Brandhorst-Museum gespannt sein: Gestern fiel die Entscheidung für einen Neubau nach Entwurf des Berliner Architekten-Duos Sauerbruch/Hutton. Zugleich aber wird die vor Jahren getroffene mutige Entscheidung des Freistaates für die Pinakothek der Moderne verwässert.

Auch Berlin steht vor der Aufnahme einer umfangreichen Privatkollektion, der Sammlung Flick – zunächst als befristete Leihgabe, aber schon mit einem längerfristig nutzbaren Provisoriums-Bauwerk bedacht. Das Münchner Danaergeschenk sollte zum Nachdenken anregen. So spektakulär es ist, Privatsammlern ihre verborgenen Schätze zu entlocken: Ohne ein auf lange Frist berechnetes Museumskonzept wird daraus am Ende Stückwerk – zum höheren Ruhme nicht des Gemeinwesens, sondern allein des eigenwilligen Sammlers.

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