Kultur : Das Abschlusskonzert des Bundeswettbewerb Gesang

Uwe Friedrich

Wer sind eigentlich Kathrin Brigl und Daniela Ziegler? Als Moderatorinnen für das Preisträgerkonzert des Bundeswettbewerbs Gesang im Bereich Musical-Song-Chanson jedenfalls stolperten sie unbeholfen über die Bühne des Theater des Westens, bezeichneten die jungen Künstler konsequent als "Kids" und "Kinder" und boten selbst manch Unprofessionelles. Wenn Daniela Ziegler auch noch singt und Eigenwerbung betreibt, fragt man sich, ob nicht doch die Preisträger im Mittelpunkt stehen sollten - auch wenn manche von ihnen es wohl nur bis zur homogenisierten "Chorus Line" eines Kommerzmusicals schaffen werden.

Zu stererotyp amerikanisiert singen vor allem die Männer. Einzig Karsten Wöllm als "Funny Girl" lässt durch stimmliche Nuancen und hemmungslose Spielfreude aufhorchen. Bei den Frauen sieht die Bilanz dagegen besser aus. Kinga Dobay gewann den ersten Preis in der Sparte Chanson: Von der ersten Sekunde ihrer Callas-Parodie "Canto dolciamente pipo" bannt sie ihr Publikum mit überspanntem Humor und sicher geführter Stimme, um in "Papirossn" zu beweisen, dass sie auch die leiseren Töne grandios beherrscht, ohne in Kitsch umzukippen. Auf ihr Soloprogramm freuen wir uns schon jetzt. Heike Schmitz und Simone Arntz zeigten zwar großes Talent, schienen aber bei der Stückauswahl schlecht beraten, konnten in "Bist du gut zu Mama" und "Shy" nicht ihre ganzen Möglichkeiten ausspielen.

Den ersten Preis der Sparte Musical erhielt Christina Lagao, die alle anderen Teilnehmer an lässig-erotischer Ausstrahlung weit überragt. Im "Gang in die Bücherei" aus dem Musical "She Loves Me" zeigt sie künstlerische Intelligenz, wiedererkennbares Stimmtimbre und Vielseitigkeit, kurz: ein Maß an Bühnenpersönlichkeit, das vielen anderen Teilnehmern schmerzlich fehlt.

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