Kultur : Das Böse trägt Schottenrock

ANDREAS CONRAD

Bestimmt werden in nicht allzu ferner Zukunft auch Ben Cartwright, Hoss und Little Joe über die Leinwand stiefeln, gefolgt von, sagen wir, dem zotteligen Alf, dem fiesen J.R.Ewing und womöglich Skippy, dem Känguruh.Noch ist es zu früh, um über das laufende Filmjahrzehnt ein abschließendes Urteil zu fällen, aber eines kann man jetzt schon sagen: Es ist das Jahrzehnt der TV-Remakes, des Recyclings von einst erfolgreichen Serien für die Kinoleinwand.

Ein ungemein erfolgreiches Konzept: Tom Cruise hatte mit "Mission: Impossible" einen Erfolg wie schon lange nicht mehr; Dr.Richard Kimble, dargestellt von Harrison Ford, gelangen spektakuläre Stunts, wie sie auf dem Bildschirm noch undenkbar waren; Simon Templar kehrte als "The Saint" zurück, und selbst Flipper planscht wieder herum, übrigens im selben Wasserloch, in dem "Titanic" gedreht wurde.

Angesichts dieses Trends zurück zu den glorreichen Bildschirmtagen mußte früher oder später auch ein Pärchen entstaubt und aufpoliert werden, das wie kein zweites Fernsehgeschichte schrieb, und nicht nur das.Auch sein Beitrag zur Emanzipation des ehemals als schwach geltenden Geschlechts darf nicht unterschätzt werden, fand doch manche spätere Frauenrechtlerin in der weiblichen Hauptfigur eine erste Identifikationsfigur: Diana Rigg alias Miß Emma Peel.

"Mit Schirm, Charme und Melone" kämpften sie und John Steed in den Roaring Sixties gegen das Böse.Oft waren es geniale, vom Machthunger besessene Wissenschaftler wie in dem Öko-Thriller "Eine Überdosis Wasser", der damals vom ZDF als zu harter Stoff aber nicht ausgestrahlt wurde: An sich suchte Dr.Sturm nur eine bequeme Art, seinen englischen Rasen zu wässern, aber dann ...

Offensichtlich spielt die in den deutschen Kinos am 27.August startende Kinoversion von "The Avengers" - so hieß die Serie im Original - auf diesen ur-britischen Stoff an: Der Böse, das ist diesmal Sir August De Wynter, der mit künstlich erzeugten Hitzewellen und Eistürmen die Regierung erpressen will.Sehenswert in dieser wetterfühligen Rolle, schon wegen seines Schottenrocks: Sean Connery.

Wie der von ihm unübertroffen dargestellte James Bond galten Emma Peel und John Steed als Inkarnationen des britischen Lebensstils.John Steed - sein Darsteller Patrick MacNee hat im Kinofilm einen Gastauftritt - stand für die Tradition, für Bentleys, Tweed-Anzüge und das Polospiel.Emma Peel - das waren die Beatles, die Carneby Street, die Roadster mit dem Lenkrad auf der richtigen Seite, der Mini-Rock.

Stärker als die anderen Remakes dieser Jahre ist "Mit Schirme, Charme und Melone" von den Darstellern abhängig.Mit dem "Englischen Patienten" Ralph Fiennes hat Regisseur Jeremiah Chechik einen guten Griff getan, wenngleich er figürlich eher an den zweiten Melonenträger der Fernsehgeschichte erinnert: Pan Tau.Seine Partnerin mimt Uma Thurman, im Stil der neuen Zeit noch etwas schärfer ausstaffiert als die Ur-Emma und im übrigen ziemlich mager.Der Name war damals eines der im Deutschen unlösbaren Rätsel der Serie: Emma klingt hierzulande nicht gerade sexy.Den Briten war das Wortspiel offensichtlich, besaß doch die Agentin eindeutig Man Appeal.Zu Emma Peel war es da nur ein kleiner Schritt.

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