Das Exil Ensemble : Alice in Deutschland

Melancholisch darf ein Migrant nicht sein: Das Exil Ensemble stellt sich und erste Ergebnisse einer Arbeit unter der Regie von Thomas Wodianka im Gorki-Studio vor.

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Auch eine Art "Wonderland": Weihnachten in Singapur
Auch eine Art "Wonderland": Weihnachten in SingapurFoto: dpa

Wofür steht der Garten in „Alice im Wunderland“? Ganz klar: für Deutschland! Die reisende Heldin fühlt sich auf diesem eingehegten Prachtgrundstück irgendwie fremd, gehört dort nicht her, also Achtung, Allegorie: „Der melancholische Migrant wird nicht gewollt!“ Thomas Wodianka schraubt sich hier als ambitionierter Regisseur mit Lewis Carroll in politische Interpretations-Höhen.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler am Tisch, mit denen er „Wonderland“ einstudiert, lassen ihn achselzuckend gewähren. Crazy Germans halt. Tahera Hashemi hat schon die deutsche Sprache beim Erstkontakt am Goethe-Institut in Kabul für eine Art Stimmkrankheit gehalten. Sie war dort nämlich auf Bayern gestoßen. „Super Geschichte“, ruft Wodianka beglückt „so persönlich!“

Mit Yael Ronen entsteht im April 2017 ein Stück für die große Bühne

Im Studio des Gorki-Theaters stellt sich kurz vor Weihnachten – selbstironisch, witzig, smart – das Exil Ensemble vor. Für zwei Jahre wurden sieben Kolleginnen und Kollegen am Haus engagiert, die ihre Heimat verlassen mussten und dadurch von ihrer Profession abgeschnitten wurden. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan oder Palästina, haben teils bereits in Produktionen am Gorki mitgewirkt (wie Ayham Majid Agha, Maryam Abu Khaled und Karim Daoud). Und entwickeln nun unterstützt von erfahrenen Ensemblemitgliedern eigene Projekte.

Mit Hausregisseurin Yael Ronen wird im April 2017 ein Stück für die große Bühne entstehen. „Wonderland“ ist eine Workshop-Präsentation, das Zwischenergebnis von sechs Wochen Arbeit mit Thomas Wodianka. Das Zueinanderfinden stand im Vordergrund, nicht die Kunstanstrengung. Doch gibt dieser kurze Abend schon ein Versprechen: Das Gorki ist um sieben Künstler und Künstlerinnen mit ihren Geschichten reicher. Vielleicht wird allein der Begriff „Exil“ ein Hinausdenken über die gegenwärtigen Verengungen beim Thema Flucht anstoßen. Zu wünschen wäre es.

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