Kultur : Das Fettnäpfchen

Renée Zellweger brilliert mal wieder rundum – in „Bridget Jones 2“

Birgit Rieger

Sie ist wieder da. „Die heiße Sexgöttin mit dem Hammerkerl ...“, na, Sie wissen schon. Vor drei Jahren hüpfte Bridget Jones zum ersten Mal von Fettnapf zu Fettnapf. Sie war mutig, geradeheraus, lustig, und: nicht dünn. Vor allem letzteres ist wichtig. Damit wurde sie im Nu zur trostreichen Projektionsfläche für Millionen von Frauen – „die perfekte unperfekte Heldin“, wie Regisseurin Sharon Maguire damals formulierte.

Mit der Verfilmung der Tagebücher der Londoner Singlefrau Bridget Jones stach sie 2001 in ein Wespennest. Endlich war eine Heldin auf der Leinwand zu sehen, die sich dem Schönheitsdiktat Hollywoods widersetzte. Eine Frau, die raucht und trinkt. Eine Frau, die isst, was sie will und sagt, was sie denkt. Eine, die weder jung noch besonders intelligent ist, auch nicht gerade erfolgreich im Beruf. Mit anderen Worten: eine echte Heldin von nebenan.

Selbstdisziplin ist Bridget Jones fremd. Daran hat sich im zweiten Teil der Komödie, „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“, nichts geändert. Und dafür werden die Zuschauerinnen sie auch diesmal wieder lieben. Die Sehnsucht nach einer Neubestimmung weiblicher Werte – gegen Schlankheitsterror und Gesundheitswahn, gegen soziale Geschmeidigkeitstaktiken und Karrierestress – ist groß wie nie.

Den besten Beweis, dass der provokante weibliche Gegenentwurf Bridget Jones noch keinen Eingang in die Realität gefunden hat, liefert vielleicht Renée Zellweger selbst. Die zierliche Hollywood-Schauspielerin und Oskar-Preisträgerin futterte sich für die Fortsetzung von „Bridget Jones“ mit bemerkenswerter Selbstdisziplin erneut 15 Kilo auf die Rippen und nahm sie anschließend wieder ab. Nach wie vor sind im Filmgeschäft weibliche Stars mit üppigeren Maßen nicht gefragt. Extremer körperlicher Einsatz und der Mut zur Hässlichkeit jedoch sehr wohl. Fast schmerzlich war der Anblick von Charlize Theron, die in „Monster“ die aufgeschwemmte, vom Leben gezeichnete Serienmörderin Aileen Wournos gab. Umso strahlender konnte sie jedoch anschließend – wieder dünn – ihren Erfolg feiern. Schauspielerinnen, die nicht dem gängigen Schönheitsmodell entsprechen, sind immer noch rar – das musste auch Agnès Jaoui feststellen, als sie für ihren Film „Schau mich an“ eine Darstellerin suchte, der man Figurprobleme glaubhaft abnimmt.

„Bridget Jones 2“ birgt eine neue Qualität der Selbstaufgabe. Renée Zellweger wirkt darin noch unförmiger, ihr watscheliger Gang driftet ab ins Groteske, die geschmacklose Kleidung dient als wunderbarer Indikator ihres hysterischen Selbst. Ihre schauspielerische Leistung und ihr komisches Talent sind großartig, allerdings präsentiert Regisseurin Beebran Kidran keine Frau, sondern einen Comedycharakter. Der darf bekanntlich alles.

Zusammen mit ihrem frisch geangelten Lover Marc Darcy (Colin Firth) und dem ewigen Charmeur Daniel Cleaver (Hugh Grant) laviert Bridget von einer schrägen Situation in die nächste. Sie landet mit dem Fallschirm im Schweinemist, fährt mit Skiern direkt in die Apotheke, tanzt voll auf Droge am Strand und kommt in Thailand sogar ins Gefängnis.

Alles lustig. Alles unterhaltsam. Nur: nicht mehr echt. Die neue Bridget ist keine Frau mehr, die uns in ihrer liebenswert unglamourösen Normalität an jeder Ecke begegnen könnte. Und auch als Identifikationsfigur für Singles hat sie ausgedient. Jeder Topf findet seinen Deckel – Hauptsache, es schmeckt!

In Berlin ab Donnerstag in 28 Kinos; OV im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar SonyCenter, OmU im Odeon

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