Kultur : Das Geld ist nicht alles

Schauspielhaus Hamburg: Schirmer gibt auf

Katrin Ullmann

In seiner ersten Spielzeit in Hamburg wollte Intendant Friedrich Schirmer Delphine fangen, die Odyssee neu erfinden und das ganze Meer – zumindest als thematischen Schwerpunkt – auf die Bühne kippen. Das alles hat nicht wirklich geklappt und ist nun fast fünf Jahre her. Gestern hat Intendant Friedrich Schirmer recht unverhofft seinen Rücktritt erklärt. Als Grund für diesen Schritt nannte er, dass er den vom Aufsichtsrat des Deutschen Schauspielhauses am 8. September 2010 beschlossenen Wirtschaftsplan für die laufende Spielzeit nicht mitverantworten könne. Schirmer will deshalb bereits zum 30. September das Deutsche Schauspielhaus verlassen. Ein in der deutschen Theaterlandschaft ungewöhnlicher Vorgang.

Reinhard Stuth ist seit Ende August Senator für Kultur und Medien der Hansestadt. Er wiederum betont, dass das Deutsche Schauspielhaus wie alle anderen staatlichen Bühnen ausreichend finanziert sei. Doch die Haushaltssituation habe es nicht erlaubt, so erklärt er, „alle in der Vergangenheit gemachten Zusagen einzuhalten“. Stuth bedauert Schirmers Entscheidung und lässt Jack Kurfess, den Kaufmännischen Geschäftsführer, interimistisch die Leitung des Hauses bis zum Ende der Spielzeit übernehmen. „Das gibt uns ausreichend Zeit über die Nachbesetzung des Intendanten neu zu entscheiden“, sagt Stuth.

Seit Friedrich Schirmers Antritt ging es es künstlerisch nicht mehr richtig voran am traditionsreichen Hamburger Schauspielhaus. Eine wirre Beliebigkeit durchstreifte die Spielpläne, Inszenierungen mit Amateuren (zuletzt „Frühlings Erwachen“ in der Regie von Daniel Wahl) eröffneten die Spielzeit und verärgerten die Presse, ein wahlloses Zusammensein von Schauspielern, Regisseuren und Leinwandgästen wurde Ensemble genannt. So liegt die Vermutung nah, dass die nicht enden wollende künstlerische Krise am Schauspielhaus mit – wenn nicht sogar der eigentliche – Grund für Schirmers dann doch nicht so plötzlichen Rücktritt ist. Katrin Ullmann

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