Kultur : Das Herz Amerikas

Pressestunde mit Robert Altman und Meryl Streep

Christina Tilmann

Nach dem Humor, dem wunderbar trockenen Humor des Films, hat niemand gefragt. Doch in jeder Antwort ist er zu spüren. Er drehe lieber Ensemblefilme, bekennt Regisseur Robert Altman: Das sei einfacher. Wenn er mal nicht weiterwisse, könne er schnell zu jemand anderem gehen. Ein Ensemblestück ist auch die Pressekonferenz zu „A Prairie Home Companion“: mit schnellem Rollenwechsel. „Jetzt habe ich nicht nur die Frage vergessen, sondern auch meine Antwort“, eröffnet Altman. „Ich beantworte jetzt mal Woodys Frage“, entscheidet Meryl Streep, als der wortkarge Woody Harrelson zu lange zögert. Und dann geht das Pingpong hin und her: Warum sie lieber solche Filme drehe als „Herbie“-Remakes, wird Jungstar Lindsay Lohan gefragt. „Weil Menschen spannender sind als Autos.“ Was Meryl Streep noch nicht gespielt habe? „Herbie“. Und als sie, nach ihren wunderbaren Country-Auftritten im Film, gebeten wird, doch in Berlin etwas zu singen, stöhnt sie: „Das ist es, was Schauspieler überhaupt nicht können: entertainen.“

Doch, Scherz beiseite, das Anliegen aller Beteiligten ist sehr ernst. Die „Prairie Home Companion“-Show sei so etwas wie das Herz Amerikas, erläutert Meryl Streep: eine Erinnerung an die Kindheit, an unschuldigere Zeiten. Als intellektuelle New Yorkerin sei sie ein „Longtime-Listener“ des über 30 Jahre alten Live-Radioprogramm von Garrison Keillor: Es erzähle etwas Wahres über Amerika. Auch Altman wird sehr eindringlich, als er nach seinem Amerikabild gefragt wird: „Jeder Film ist politisch. Hätte ich diesen Film nur ein Jahr früher oder später gedreht, es wäre ein anderer Film geworden. Filme reflektieren die politische Temperatur der Zeit.“ Und Woody Harrelson sekundiert, dass viele Menschen in Hollywood sich inzwischen entschlossen hätten, aufzustehen gegen Bush, und lobt besonders Kollegen George Clooney für sein Engagement.

Hier spricht das Gewissen Amerikas. Als ein Journalist Altman zum bevorstehenden 81. Geburtstag gratuliert, kontert dieser zum Datum: „Das war George Washington.“

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