• Das Mozart Piano Quartet bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten: Engelgewitter überm Kloster Lehnin

Das Mozart Piano Quartet bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten : Engelgewitter überm Kloster Lehnin

Das war eine Reise wert: Das Mozart Piano Quartet begeistert sein Publikum bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten im Kloster Lehnin mit Klavierquartetten von Saint-Saëns und Schumann.

Tomasz Kurianowicz
Klosterkirche St. Marien in Lehnin
Klosterkirche St. Marien in LehninFoto: imago/Schöning

Wer einmal nach Lehnin reist, will nicht mehr weg. Das liegt vor allem am Zisterzienserkloster, das so viele Ruhe und Abgeschiedenheit ausstrahlt, dass es schwer fällt, noch irgendein gutes Argument fürs Großstadtleben benennen zu können. Außerdem ist dieser Ort westlich von Potsdam perfekte Kulisse für ein Brandenburgisches Sommerkonzert. Die vier Musiker des Mozart Piano Quartets müssen an diesem lauen Sonntagnachmittag in der Klosterkirche St. Marien kurz innehalten, als sie durch die Reihen schauen und ein volles Kirchenschiff erblicken. Liegt es an der Stätte oder am Programmtitel, der „Romantisches im Kloster“ verspricht, dass sich so viele Berliner auf den Weg gemacht haben?
Was es auch war, die Reise war es wert: Schon das Eröffnungsstück, Camille Saint-Saëns’ Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello in E-Dur, beweist die umwerfenden Qualitäten des Ensembles: Das bissige, hochexplosive Stück gelingt ausgewogen und stilsicher. Mark Gothoni an der Violine sorgt für zarte Kadenzen, Hartmut Rohde bespielt seine Viola wie eine fragile Geliebte. Tempi, Phrasierungen und Dynamiken wirken stimmig. Außerdem begeistern die phantastischen Klaviersoli von Paul Rivinius, die wie ein Engelgewitter klingen, so rein, schnell und perfekt intoniert, dass es einem kalt über den Rücken läuft. Peter Hörr sorgt dabei am Violoncello für das kräftigste und zugleich butterweichste Vibrato, das der Himmel über Brandenburg je gehört hat.

Genauso muss Schumann klingen

Dieses Quartett ist so gut eingespielt, dass man erschaudern muss. Das zeigt sich besonders bei Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47: Das Ensemble beginnt mit einem leichten Allegro, steigert sich in ein wüstes Scherzo hinein, atmet durch während eines zahmen Andante und dreht beim Vivace derartig auf, dass die Kirchenmauern zu wackeln scheinen. Genauso muss Schumann klingen. Nach der Pause geht es nicht minder dramatisch weiter: Camille Saint-Saëns’ Klavierquartett B-Dur op. 41 ist ein Zerrspiegel der Gefühle, voller Synkopen und brüchiger Tonartwechsel, der sich bei diesem Klavierquartett zu einem Krimi am Nachmittag entwickelt. Kein Wunder, dass das Publikum die Musiker frenetisch feiert und nach einer Zugabe bittet. Die soll sie bekommen. Nach dem Konzert strahlt die Sonne, als hätte da jemand eine Glücksbotschaft versendet. Pure Freude.

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