Kultur : Das Neue, das Entlegene

Dirigent und Chorgründer: Zum Tod des Berliner Kirchenmusikdirektors Peter Schwarz

Sybill Mahlke

Sein Wesen war Aufgeschlossenheit. Peter Schwarz wird als ein Musiker in der Erinnerung bleiben, dessen Universalität Anregungen ohne Zahl gegeben hat. Kirchenmusikdirektor und weitherziger Geist. Professor an der UdK. Wenn die Abendglocken in seine Konzerte in der Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Kirche klangen, konnten sie eine Uraufführung stören und zugleich ein spirituelles Heimatgefühl vermitteln.

Denn 40 Jahre lang wirkte er hier als Organist und Kantor – hauptamtlich, aber weit über das Amt hinaus. Die Kirche im Hansaviertel war sein musikalisches Zentrum, das ausstrahlte. Nicht nur Berlin hat davon profitiert. Der gebürtige Franke studierte in Detmold bei Michael Schneider und Wolfgang Fortner, darauf an mehreren Universitäten mit Promotion an der FU.

1965 gründete er die Berliner Cappella. Dann das ars-nova-ensemble und mit dem Komponisten Frank Michael Beyer die Reihe „musica nova sacra“. In seinen letzten Lebensjahren hat er sich um das Musikforum Berlin-Israel verdient gemacht und in der Kirche Zum Heilsbronnen eine neue Heimat gefunden. Das Neue und das Entlegene haben ihn gereizt, daneben Hauptwerke der Musikgeschichte wie die Passionen von Bach, die h-Moll-Messe, das Brahms-Requiem, das er in der Philharmonie mit dem Orchester der Berliner Cappella aufführte. Aber auch der deutsche Komponist Heinrich Kaminski und der Pole Augustyn Bloch. Mit der Filharmonia Pomorska entstanden freundschaftliche Beziehungen.

Im Repertoire des Chors war Schönbergs „Friede auf Erden“ verankert, Schwarz musizierte Strawinsky (Berliner Erstaufführung des „Canticum Sacrum“), Eisler, Ligeti, Yun, Beyer, Nono, Dallapiccola, Zechlin, Henze, Berio, Siebert.

Als differenzierender Dirigent war er kein Purist. Der Wissenschaftler in ihm kannte historische Aufführungspraxis, aber sein alles umfassendes Denken ging immer von der Gegenwart aus. Von heutigem Klang. Nicht beschränkt auf den evangelischen Bereich, war Schwarz für seinen künstlerischen Weggefährten Frank Michael Beyer einer der Letzten, der die Kirchenmusik als „substanziellen Bestandteil unserer Kultur“ begriffen habe. Ihre gemeinsame Erfahrung fasst Beyer so zusammen: „Die europäische Musik ist ein Kind des Christentums.“

Am 4. Juli ist, wie jetzt bekannt wurde, Peter Schwarz im Alter von 69 Jahren in Berlin gestorben.

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