• Das Phantom des Kurators: Eine Berliner Podiumsdiskussion über die Kunst und ihre Pfleger

Kultur : Das Phantom des Kurators: Eine Berliner Podiumsdiskussion über die Kunst und ihre Pfleger

Knut Ebeling

Es gab einmal eine Zeit, in der es so aussah, als würde das Kunstgeschehen unter die Herrschaft einer bestimmten Kaste fallen. Anfang der neunziger Jahre, als der Kunstboom verebbte und den Museen das Geld ausging, traten auf den Bühnen des Kunstbetriebes die Kuratoren auf. Diese "Pfleger und Bewahrer des kulturellen Erbes?" (Duden), oder besser: freien Agenten in Sachen Ausstellungsbusiness sollten die verarmten Museen wieder zu aufregenden Orten machen. Fortan jettete eine elitäre Gilde von selbst ernannten Kunstauswählern um die Welt, um immer neuere Künstler in immer aufregenderen Themen-Ausstellungen zusammenzubringen. Das Gute daran war, dass die Kunstobjekte von ihren Pflegern aus der scheinbaren Evidenz ihrer kunsthistorischen Anordnung nach Schulen und Gruppen gelöst wurden. Das Schlechte an dem schnell etablierten neuen Ausstellungssystem war, dass die Macht der Kuratoren, die über eine Künstlerkarriere entscheiden konnten, immer größer wurde. Bald waren die Namen der Kuratoren bekannter als die der Künstler.

Auf den Aufstieg folgte der Fall des neu geschaffenen Star-Systems. Die Kuratoren gerieten zunehmend in die Kritik, da die Ausstellungen nicht merklich besser wurden. Der Reihe nach kehrten die Kunstpfleger unter das schützende Dach der Institutionen zurück, die sie einst reformieren wollten. So verwunderte es auch nicht, dass Saskia Bos als die einzige aktuelle Kuratorin, die zu einer Podiumsdiskussion über das Kuratorentum am Mittwochabend in die Bildhauerwerkstatt des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) geladen war, ihre Teilnahme kurzfristig absagte. Dabei richten sich auf Bos als neu gekürte Kuratorin der nächsten Berlin-Biennale einige Erwartungen. So unterhielten sich Galeristen und Künstler, Kulturmanager und Politiker in Abwesenheit der Betroffenen über das Phantom des Kurators. Während der Kunsthändler Paul Maenz meinte, die Kuratoren machten eine Arbeit, die eigentlich die Museen leisten sollten und der Galerist Matthias Arndt die Abwesenheit eines internationalen Kurator-Standards an den öffentlichen Museen beklagte, wies die Politikerin Monika Grütters auf die schwierige finanzielle Situation hin. Statt näher auf die veränderten Arbeitsbedingungen des Kurators einzugehen, verlor sich die Diskussion in kulturpolitischen Fragen. Der Kurator kam hier nicht mehr vor - auch eine Art, eine fünf Jahre zu spät angesetzte Diskussion immer noch nicht zu führen.

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