Das Projekt Haydn 2032 : Piano, piano

Der Dirigent Giovanni Antonini und das Alte-Musik-Ensemble Il Giardino Armonico wollen alle 107 Sinfonien von Joseph Haydn neu aufnehmen. Jetzt startete das Projekt mit einem Konzertmarathon im Berliner Radialsystem.

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Il Giardino Armonico
Il Giardino ArmonicoFoto: promo

Bis 2032 wollen der italienische Dirigent Giovanni Antonini und das Alte-Musik-Ensemble Il Giardino Armonico sämtliche 107 Symphonien Joseph Haydns eingespielt und in einem internationalen Konzertzyklus aufgeführt haben. Der Auftakt zu dem von der privat finanzierten Basler Joseph Haydn Stiftung veranstalteten Mammutprojekts findet im Radialsystem statt, und das ist Programm. Aufführungspraktisch auf dem neuesten Stand der Wissenschaft soll das Projekt zugleich Verbindungen zu anderen künstlerischen Disziplinen schaffen. Dafür ist der für seine experimentellen Konzert bekannte Veranstaltungsort der richtige Platz. Nur nicht an diesem Abend.

Eigentlich sollte ein Haydn-Remix die als „Lange Nacht“ angelegte Auftaktveranstaltung abschließen. Doch ein ungewollter Remixeffekt stellt sich bereits zu Beginn ein, weil von den Veranstaltungen der Fête de la Musique am anderen Spreeufer unablässig rücksichtslos laute Beats bis tief in das Innere des fest gemauerten Konzertgebäudes hineinwummern. Der Stoizismus, mit dem das Publikum diese Zumutung erträgt, ist allerdings auch ein Zeichen dafür, dass Antoninis Interpretationsansatz stark genug ist, um auch die nächsten 18 Jahre für intensive Aufmerksamkeit zu sorgen. Neben seinem ausgesprochenen Sinn für Klangfarben und für das Aufdecken von subkutanen Spannungsbögen fasziniert dabei ironischerweise gerade auch, wie er Haydns Symphonik (es erklingen Nr. 47, 22 und 49) aus dem extremen Pianissimo entwickelt. Diese neue dynamische Eichung schafft Raum für ein entspannteres, instrumetengerechteres und farbenreicheres Musizieren im Fortissimobereich.

Und während Elina Albach in entspannter Wohnzimmeratmosphäre demonstriert, wie überzeugend sich Haydns Klaviermusik auf dem Cembalo spielen lässt, scheint das literarische Programm von Bernhard Lassahn und Martin Betz mit etwas zu heißer Nadel gestrickt zu sein. Zwischen Anekdotischem und mehr oder weniger geglückten Blödeleien über Haydns Papagei wagt sich Betz immerhin an eine Sprachspielerei zum Thema Wiederholung, die ansatzweise eine Verbindung zu dem gewitzten Formkünstler Haydn findet und als Konzept wert wäre, weiterentwickelt zu werden. Zeit ist ja noch.

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