• „Das Publikum will mehr als das Vorhersehbare“ Soul-Pionier Booker T. über Memphis, Meditation und sein Album „Sound The Alarm“

Kultur : „Das Publikum will mehr als das Vorhersehbare“ Soul-Pionier Booker T. über Memphis, Meditation und sein Album „Sound The Alarm“

Foto: Piper Ferguson
Foto: Piper Ferguson

Vor einiger Zeit wurde das legendäre StaxLabel wiederbelebt, bei dem Sie Ihre Karriere begannen. Ist es überhaupt möglich, an die große Ära anzuknüpfen?

Mit mir und meinen Freunden kann das durchaus passieren. Der alte Geist kann wieder leben. Früher haben wir die Kids buchstäblich von der Straße ins Aufnahmestudio geholt. Bevor Stax Records eine richtige Firma wurde, war es ja eigentlich nur ein Stadtteil-Ding. So was geht für Plattenfirmen heute nicht mehr. Ich habe seinerzeit noch als Teenager viel Blut und Schweiß in die alte Firma gesteckt, dann kamen die Anzugträger, haben den Erfolg gekauft, und alles fiel auseinander. Von da an lag der Fokus auf Produkten anstatt auf Songs.

Sie verließen Memphis 1968.

Ja, ich war gerade jung genug, um alles hinzuschmeißen und an Bord eines Flugzeugs zu steigen. Raus aus dem Vertrag und rein in die Arme von Leuten wie Leon Russell, Stephen Stills, Bill Withers und Neil Young, all jene, die damals das Denken verändert haben.

Sie arbeiteten als einer der Ersten in einer Band mit halb schwarzer, halb weißer Besetzung, überwanden Rassen- und Genreschranken. Diesem Geist sind Sie bis heute treu geblieben.

Für uns war es damals einfach richtig, zusammen zu spielen, auch wenn es verboten war. Wenn du beide Welten erst mal zusammenbringst, dann sind sie für immer verbunden.

Freut sie das derzeitige Soul-Revival?

Ja, Soul und R’n’B finden neue begeisterte Fans. Und ich fühle mich immer noch so jung und abenteuerlustig. Viele meiner früheren Weggefährten sind ja schon gestorben, aber ich treffe neue, junge Talente. Daryl Hall, der mit über 70 eher in meine Altersgruppe gehört, stellte mir Mayer Hawthorne vor, der auf meinem neuen Album mitwirkt. Er hat dieses Philadelphia-Blue-Eyed-Soul-Ding und ist obendrein der Typ Musiker, der alles gleich beim ersten Mal richtig macht. Obwohl er so viel jünger ist, hatte ich das Gefühl, er kann meine Gedanken lesen.

Kori Withers, die ebenfalls auf dem Album zu hören ist, ist die Tochter des einflussreichen Soulmusikers Bill Withers. Wie war es, sein Produzent zu sein?

Bill war sehr streitsüchtig, er wollte lieber Tischler bleiben. Er hatte zwar seine Songs und seine Ideen, aber mit dem Musikgeschäft wollte er nichts zu tun haben. Man musste bitten und betteln, dass er überhaupt ins Studio kommt. Seine Tochter Kori würde am liebsten den ganzen Tag singen und arbeiten, sie wird ihren Weg gehen.

Ihr neues Album „Sound The Alarm“ hat ein modernes Sounddesign. Es gibt Drumcomputer und melodische Experimente.

Das Publikum will nicht nur das Vorhersehbare, und das spornt die Musiker an, unbekannte Wege zu gehen. Gleichzeitig erleben klassische Haltungen ein Comeback. The Roots erinnern mich beispielsweise an eine junge Ausgabe von The Meters. Sie haben mit ihrem jazzy Hip-Hop ein New-Orleans-Gefühl wiederbelebt. Auf meinem Album ist es der junge Bluesgitarrist Gary Clark jr., der mich an meine Zeit in Austin, Texas erinnert, als ich mit Leuten wie Willie Nelson rumgehangen habe. Das Instrumentalstück „Austin City Blues“ steht dafür.

Würden sie ihren Sound immer noch als Memphis-Musik bezeichnen?

Ja. Wo immer ich dabei bin, ist es Memphis-Musik. Ich bin dort geboren und zwei Blocks entfernt vom Aufnahmestudio aufgewachsen. Das war mein großes Glück. Gospel, Blues und Country haben mich geprägt. Und so prägen sie auch für immer meine Platten, es ist Memphis-Musik.

Meditieren Sie immer noch jeden Tag?

Ich praktiziere verschiedene Formen. Dazu zählen auch buddhistische Mantras, denn ich glaube an viele Aspekte der buddhistischen Philosophie. Aber in erster Linie dient mir die Meditation dazu, meinen Verstand in Form zu halten, in Verbindung zu bleiben und geerdet zu sein.

Das Gespräch führte Christine Heise.

Booker T. Jones, 68, war Pianist der Stax- Hausband M.G.’s,

die unter anderem

Otis Redding und Sam & Dave begleitete.

1970 zog er nach L.A. „Sound The Alarm“ erscheint bei Universal.

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